Starke Sonneneruptionen könnten Polarlichter bis in mittlere Breiten bringen
Eine außergewöhnliche Serie von Sonneneruptionen in den ersten Februartagen 2026 hat das Potenzial, das Nordlicht in dieser Woche über weiten Teilen der nördlichen USA und Kanadas sichtbar zu machen. Weltraumwetter-Experten rechnen damit, dass das Phänomen dank eines starken geomagnetischen Sturms deutlich weiter südlich als üblich zu sehen sein könnte.
Sonnensturm auf dem Weg zur Erde
Auslöser ist die Sonnenaktivitätsregion 4366, die zwischen dem 1. und 2. Februar vier starke X-Klasse-Flares und 24 M-Klasse-Flares freisetzte. Die NASA registrierte die intensivsten Ausbrüche um 13:33 Uhr, 00:37 Uhr und 01:36 Uhr MEZ am 1. Februar sowie einen weiteren um 09:14 Uhr MEZ am 2. Februar. Diese Eruptionen schleuderten koronale Massenauswürfe (CMEs) – Wolken geladener Teilchen – Richtung Erde, deren Ankunft für den 5. Februar erwartet wird.
Laut dem Space Weather Prediction Center der NOAA verursachte ein R3-starker Sonnenflare am 4. Februar bereits Funkstörungen. Die ankommenden Teilchenwolken könnten nun einen geomagnetischen Sturm auslösen, der die Polarlichter, auch Aurora borealis genannt, in südlichere Gefilde treibt.
Die Vorhersagen, basierend auf Daten der NOAA und der University of Alaska Fairbanks, sind vielversprechend: In 11 US-Bundesstaaten – Alaska, Washington, Idaho, Montana, Wyoming, North Dakota, South Dakota, Minnesota, Wisconsin, Michigan und Maine – bestehen gute Chancen auf Sichtbarkeit. Sogar in nördlichen Teilen von Illinois und im Süden Wisconsins, wo solche Himmelserscheinungen eine Seltenheit sind, könnte ein schwaches Glimmen am Horizont zu sehen sein.
In Kanada könnten die Lichter über Städten wie Yellowknife, Iqaluit und Winnipeg direkt am Himmel stehen. Von Metropolen weiter südlich wie Seattle, Des Moines, Chicago, Cleveland, Boston und Halifax aus wären sie niedrig am Nordhorizont zu erblicken.
Tipps für Himmelsbeobachter
Die besten Beobachtungszeiten liegen zwischen 22:00 und 02:00 Uhr Ortszeit. Entscheidend ist ein dunkler Ort mit freier Sicht nach Norden, fernab störender Lichtquellen. Ein Expertenrat lautet: „Maisfelder schlagen Sackgassen jedes Mal.“ Selbst wenn das Auge nur ein schwaches, grünliches oder rötliches Leuchten wahrnimmt, können Smartphone-Kameras im Nachtmodus oder Langzeitbelichtungen oft intensivere Farben und Strukturen einfangen.
Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Nur bei klarem Himmel ist die Sicht möglich. In Regionen wie Metro Vancouver deuten die Prognosen mit Hochdruckeinfluss und trockenen Nächten derzeit auf ideale Bedingungen hin.
Dies ist nicht das erste derartige Ereignis in jüngster Zeit. Bereits am 19. Januar 2026 ermöglichte ein G4-„Schwerer“-geomagnetischer Sturm spektakuläre Lichterscheinungen in Gebieten, die sonst kaum Polarlichter zu sehen bekommen. Die aktive Phase der Sonne, die sich im Maximum ihres etwa elfjährigen Zyklus befindet, erhöht die Wahrscheinlichkeit für solche Vorkommnisse in den kommenden Monaten noch weiter.
Die Aurora borealis entsteht, wenn die geladenen Teilchen des Sonnenwinds auf das Erdmagnetfeld treffen und mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen in der hohen Atmosphäre kollidieren. Dabei werden Photonen freigesetzt, die das charakteristische, tanzende Farbenspiel erzeugen.
Ob jeder Beobachter in den genannten Regionen das Naturschauspiel tatsächlich zu sehen bekommt, hängt jedoch von der endgültigen Stärke des Sonnensturms, dem genauen Ankunftszeitpunkt der Teilchenwolke, der lokalen Wolkendecke und der Lichtverschmutzung ab. Die Chancen stehen nach Einschätzung von Fachleuten derzeit so gut wie schon lange nicht mehr.