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Keime im Büro: Wie man sich schützt – und wie nicht

Der Winter ist Erkältungszeit. Auch im Büro ist man von Keimen geradezu umzingelt, überall wird gehustet und geschnieft. Doch wie gefährlich sind die Krankheitserreger eigentlich, wo verbergen sie sich im Büro – und wie kann man sich schützen?

Tastatur, Telefon, Toilette – Keime lauern überall. Untersuchungen zufolge finden sich auch im Büro tausende von Mikroorganismen. Gerne auch da, wo es feucht und warm ist wie in der Büroküche. Dort tummeln sie sich in Handtüchern und in Spülschwämmen, oft mehr als auf dem Toilettensitz.

Das Immunsystem ist leistungsfähig

Im Kühlschrank mögen Krankheitserreger Speisereste oder vergessene Lebensmittel. Auch Krümel in der Tastatur sind ein gefundenes Fressen für Schimmelpilze und Bakterien. Doch verkrustete Kaffeetassen und muffige Geschirrtücher sind zwar eklig, aber meist nicht sehr gefährlich. Denn unser Immunsystem ist leistungsfähig, sagt Dr. Lutz Bader, Facharzt für Mikrobiologie und Fachreferent für Hygiene bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern.

“Bei einem immungesunden Menschen, der sich gesundheitsbewusst verhält, ist unser Immunsystem in der Lage, die tägliche Konfrontation mit vielen, Hundertausenden, Millionen von Keimen zu beherrschen.” Lutz Bader, Facharzt für Mikrobiologie

Saubere Hände sind die beste Vorbeugung

Keime wie Haut- oder Darmbakterien sind ohnehin unsere täglichen Begleiter und nur für Immungeschwächte problematisch. Doch es gibt auch Erreger mit mehr Ansteckungsgefahr wie Erkältungsviren. Dreh- und Angelpunkt sind hier die Hände. Über sie kommen Viren und Bakterien ins Büro, werden über Türklinken, Tastatur und Telefon verteilt und können Infektionen auslösen.

“Gerade bei Erkältungskrankheiten denkt man immer, die werden ja übertragen durch Husten und Schniefen und Schnupfen, also über die Luft. Es ist aber eher so, dass der Großteil dieser Infektionen über Handkontakt übertragen wird. Das heißt, wir nehmen über die Berührung von Handkontaktstellen diese Erreger auf und führen die dann ins Gesicht oder unsere Schleimhäute.” Lutz Bader, Facharzt für Mikrobiologie

Daher sollte man so wenig wie möglich mit den eigenen Händen die eigenen Schleimhäute und das Gesicht berühren. Allerdings braucht es bei einem immungesunden Menschen meist hohe Erreger-Konzentrationen, um wirklich krank zu werden. Das kann aber leicht verhindert werden.

“Häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife reduziert die Keimzahl, die wir auf den Händen tragen und die wir dann auf uns selbst übertragen können.” Lutz Bader, Facharzt für Mikrobiologie

Desinfektionsmittel sind unnötig

Händewaschen nach dem Toilettengang, vor dem Essen, bevor man ins Büro geht und wenn man wieder nach Hause kommt – das empfiehlt der Experte. Doch viele Büro-Beschäftigte denken, man müsste mehr tun:

“Mehr desinfizieren. Ich habe neben meinem Arbeitsplatz immer so ein Spray stehen. Und wie es in Amerika ist: Da hat jeder so was auf dem Tisch und auch an den Ein- und Ausgängen hängen solche Desinfektionsmittel.” Büro-Angestellte

“Ich selber desinfiziere meine Maus und Tastatur regelmäßig, aber sonst macht das kaum jemand.” Büro-Angestellte

Und das ist auch nicht notwendig, meint Hygieneexperte Bader:

“So etwas ist im medizinischen Bereich sinnvoll, aber im Alltag ist das nicht erforderlich. Wenn es einem selbst eine größere Sicherheit gibt, dass man selber ein Desinfektionsmittel einsetzt, dann kann man das machen. Solche Präparate werden von der Industrie auch relativ stark beworben, weil die Industrie natürlich auch Interesse hat, solche Präparate auch zu verkaufen.” Lutz Bader, Facharzt für Mikrobiologie

Statt Desinfektionsmittel, die auch Allergien und Unverträglichkeiten auslösen können, reichten einfache Hygienemaßnahmen. Ab und zu reinigen von Flächen und Kühlschränken mit Essigreinigern – das genügt.

Gesunde Lebensweise und Grippe-Impfung helfen

Vor allem aber sollte man auf eine gesunde Lebensweise achten, die das Immunsystem stärke, so Dr. Bader. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung und Vermeidung von Risiken wie zum Beispiel Rauchen.

Aber auch die Strategie dieses Büro-Angestellten begrüßt der Mikrobiologe:

“Seit ein paar Jahren lasse ich mich tatsächlich Anfang des Winters gegen Grippe impfen, in der Hoffnung, dass ich dann stabil gegen irgendwelche Attacken bin.”

Das sei sicherlich eine sehr gute Maßnahme, so Bader. Denn zum einen schütze sich der Geimpfte selbst gegen die Infektionskrankheit und zum anderem trage er dazu bei, dass die Erreger auch in der Gesamtbevölkerung nicht stark zirkulieren und damit die Bevölkerungsimmunität gestärkt wird.

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