Der Dokumentarfilm “Apollo 11”, inszeniert und geschnitten von Todd Douglas Miller, ist durchweg beeindruckend. Was eine Überraschung ist. Im Laufe der Weltgeschehnisse des 20. Jahrhunderts wurde Apollo 11, die NASA-Mission von 1969, die zwei Männer auf den Mond brachte, ausführlich dokumentiert. Es wurde auch fiktiv zerlegt, zuletzt von Damien Chazelle, dessen Film “First Man” aus dem Jahr 2018 ein Porträt von Neil Armstrong ist, dem Kommandanten der Mission und, ja, dem ersten Mann, der auf dem Mond läuft. Neben der Chronik dieses Triumphes untersucht dieser Film auch Armstrongs emotionale Zurückhaltung.

Millers Dokumentarfilm zeigt indirekt, warum eine solche Qualität bei Astronauten geschätzt wird. Angefangen bei den Aufnahmen eines Raupentransporter, der die Saturn V-Rakete zum Startplatz von Cape Canaveral transportiert, und Walter Cronkites Nachrichtenoratorium, das das einzige offene narrative Setup bietet, das der Film nutzen wird, legt “Apollo 11” leidenschaftslos dar, wie viele Dinge nötig sind, um genau das Richtige für diese Mission zu tun. Und wie viele der Dinge, die möglicherweise schief gehen könnten, impliziert der Film auch, dass er Ihnen in dieser Hinsicht nur die Spitze des Eisbergs gibt.

Der Film besteht hauptsächlich aus neu entdecktem Archivmaterial, von dem einige noch nie zuvor in einem Film zu sehen waren. Aber Miller verlässt sich nicht ganz darauf. Er verwendet einfache, aber wirkungsvolle Weiß-Schwarz-Grafiken, grafische Animationen und gelegentlich im Split-Screen-Verfahren erstelltes Material, um besonders erschütternde Manöver hervorzuheben und die Komplikationen der Aktionen zu vermitteln, die die Apollo 11-Crew so präzise ausführen musste. Der Aufprall ist fast umwerfend. Auf der Rückkehr zur Erde löst sich die Crew noch ein wenig mehr und hört sich einen schwerelosen Kassettenspieler an, von dem das Volkslied “Mother Country” von John Stewart ausgestrahlt wird.

Aufzeichnungen aus Houstons Missionskontrolle verfolgen Schlüsselmomente, einschließlich der Herzfrequenzen von Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins an entscheidenden Stellen während der achttägigen Mission. Laut dem Bericht des Flugchirurgen liegt die Herzfrequenz von Armstrong bei bis zu 110 Schlägen pro Minute. Collins ist bei 99, während Aldrin, kühl wie eine Gurke, eine Rate von 88 hat.

“First Man” erinnerte die Zuschauer an die komplexen körperlichen und emotionalen Herausforderungen, die die Arbeit als Astronaut mit sich bringt. Und “Apollo 11” zeigt weiter, dass kaum jemand außer einem Luft- und Raumfahrtingenieur und einem umfangreichen Support-Team der für dieses Vorhaben erforderlichen Mathematik nahe kommen kann.

Dennoch ist “Apollo 11” nicht ganz frei von Romantik. Obwohl wir wissen, wie die Mission ausgeht, erzeugt und erhält der Film Spannung. Und es entfacht ein verrücktes Gefühl des Staunens, unter anderem darüber, was man praktisch mit der Trigonometrie machen kann.