Wegen mangelnder Barrierefreiheit: Seniorin baut sich ihr Traumhaus selbst
Nach einer zweijährigen, erfolglosen Suche nach einem barrierefreien Zuhause hat eine Seniorin im Rollstuhl in Wiltshire kurzerhand ihr eigenes Haus gebaut. Fiona Campbell (73) erwarb 2010 ein Grundstück bei Calne und realisierte mit einem Architekturbüro einen modernen, vollständig zugänglichen Entwurf, der mit gängigen Klischees aufräumen sollte.
Ein Haus, das alle Erwartungen durchbricht
Campbell, die früher im Gesundheitswesen arbeitete, ärgerte sich über die stereotype Vorstellung von barrierefreiem Wohnen. „Als ich auf Haussuche war, dachten alle, ich würde ein ’nettes Bungalow‘ wollen“, sagte sie. Stattdessen entstand das 1500 Quadratmeter große „Orchard House“ als zweigeschossiges Gebäude mit Galerie, einem Aufzug hinter der Treppe, bodentiefen Fenstern und einem minimalistischen Design. Wert legte Campbell darauf, durch die Haupttür einzutreten, nicht über eine Rampe an der Seite.
„Ich wollte nicht, dass mein Haus aussieht wie für Behinderte gemacht. Es soll aussehen, als könnte es für jeden sein“, so Campbell. Die Küche ist mit niedrigeren Schränken und Arbeitsflächen ausgestattet. Das Haus verfügt zudem über nachhaltige Features wie ein begrüntes Sedumdach, eine Wärmepumpe und Schafwolldämmung.
Neuerliche Suche offenbart alte Probleme
Nach 14 Jahren muss Campbell das Haus nun aus persönlichen Gründen verlassen und hat es für 750.000 Pfund zum Verkauf angeboten. Der Umzug in die Nähe ihrer Schwestern nach Bristol stellt sie jedoch vor dieselben Probleme wie vor über einem Jahrzehnt. Eine als barrierefrei beworbene Neubauwohnung erwies sich als ungeeignet: die Arbeitsplatten waren zu hoch, der Kühlschrank unerreichbar und die Fenster nicht zu öffnen.
Zuvor hatte sie einen Umzug nach Bath erwogen, scheiterte aber an den Denkmalschutzauflagen, die etwa den Einbau einer Rampe praktisch unmöglich machten. „Manchmal hat man das Gefühl, die Gebäude sind wichtiger als die Menschen“, kommentierte sie diese Erfahrung.
Ihre Schlussfolgerung lautet, dass behinderte Menschen von Anfang an in Designprozesse einbezogen werden müssen. Die Anpassung eines bestehenden Hauses schätzt sie auf rund 200.000 Pfund – ein Betrag, der für die meisten unerschwinglich sei. „Es ist ein verborgenes soziales Problem, das mehr Aufmerksamkeit verdient“, so Campbell.
Ihr selbstgebautes „Orchard House“ mit seinem preisgekrönten, zugänglichen Garten hat unterdessen das Interesse anderer Rollstuhlnutzer und solcher geweckt, die ein „zukunftssicheres“ Zuhause suchen. Campbell selbst wird sich wohl kein vergleichbares Projekt mehr leisten können. „Ich wünschte, ich könnte das Haus mitnehmen“, sagte sie.