Lilly knackt Billionengrenze und prophezeit Rekordjahr trotz Preisrückgang
Der Pharmariese Eli Lilly hat mit einer überraschend positiven Prognose für das laufende Jahr die Börse begeistert und ist erstmals mehr als eine Billion Dollar wert. Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen für das vierte Quartal 2025 schnellte der Aktienkurs des Unternehmens am 4. Februar 2026 um mehr als neun Prozent nach oben.
Den spektakulären Rahmen für den Börsenboom lieferten die beiden Blockbuster-Medikamente Mounjaro und Zepbound. Allein der Umsatz mit Mounjaro, einem Diabetes- und Adipositas-Mittel, stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 110 Prozent auf 7,41 Milliarden Dollar. Noch stärker wuchs Zepbound, dessen US-Umsatz um 122 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar kletterte und damit die Analystenerwartungen deutlich übertraf.
Insgesamt erzielte Lilly im letzten Quartal einen bereinigten Gewinn von 7,54 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 19,29 Milliarden Dollar. Beides lag spürbar über den Markterwartungen.
Kühnere Prognose als der Wettbewerb
Der eigentliche Auslöser für den Kursrausch war jedoch die überaus optimistische Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026. Lilly rechnet mit einem Umsatz zwischen 80 und 83 Milliarden Dollar, deutlich über der Konsenserwartung von 77,62 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn soll zwischen 33,50 und 35 Dollar je Aktie liegen.
Dieser Ausblick steht in scharfem Kontrast zu den Warnsignalen des dänischen Konkurrenten Novo Nordisk, der kürzlich vor einem möglichen Umsatz- und Gewinnrückgang von bis zu 13 Prozent warnte. Lilly konnte seinen Marktanteil auf dem lukrativen US-Markt für Diabetes- und Adipositas-Medikamente indes auf 60,5 Prozent ausbauen.
Mehrere Faktoren stützen die Zuversicht des Managements: die anhaltend globale Nachfrage nach den GLP-1-Medikamenten, die erwartete Einbeziehung von Adipositas-Behandlungen in den Medicare-Leistungskatalog und die geplante Markteinführung einer neuen GLP-1-Adipositas-Pille im zweiten Quartal 2026 – sofern die US-Zulassungsbehörde grünes Licht gibt.
Preissenkungen gegen Tarifbefreiung
Von besonderer Bedeutung ist eine im Hintergrund getroffene politische Vereinbarung. Wie Konzernchef David Ricks gegenüber CNBC erläuterte, werden Lilly und Novo Nordisk ab 2026 die Preise für Medicare- und Medicaid-Versicherte senken. Zudem werden die Medikamente über eine neue Plattform namens TrumpRx direkt zu einem Rabatt an Verbraucher verkauft. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen eine dreijährige Befreiung von Zöllen.
Ricks räumte ein, dass diese Vereinbarung zunächst „einen Schritt nach unten bei den Preisen“ bedeute. Er betonte jedoch, dass das Volumenwachstum der Medikamente in der zweiten Jahreshälfte anspringen werde. Die Unternehmensführung geht davon aus, dass der breitere Zugang und die verbesserte Versicherungsabdeckung die Rezeptzahlen so stark steigern werden, dass anfängliche Umsatzrückgänge mehr als ausgeglichen werden.
Mit seiner Strategie und der robusten Pipeline hat sich Lilly nach Ansicht von Marktbeobachtern erstaunlich agil gegenüber branchenweiten Herausforderungen wie Preisdruck und dem Verlust von Exklusivitätsrechten positioniert. Der Börsenwert von über einer Billion Dollar unterstreicht das Vertrauen der Investoren in diesen Kurs. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Erfolg der Blockbuster-Medikamente und die neuen Marktinitiativen diese Erwartungen erfüllen können.