Was vor wenigen Monaten noch wie eine ferne Zukunftsvision klang, bekommt nun einen konkreten Zeitplan: Kawasaki Heavy Industries treibt die Entwicklung eines vierbeinigen Reitroboters namens „Corleo“ voran – und will ihn langfristig tatsächlich in Serie bauen. Das Unternehmen spricht erstmals offen von Prototypen, Ausstellungen und einem möglichen Marktstart.

Der Tech-Gaul sorgte erstmals auf der Weltausstellung in Osaka für Aufsehen. Ein Video zeigte ein scheinbar reitbares Roboterpferd, das sich elegant durch bergiges Gelände bewegte und mühelos Hindernisse überwand. Schnell wurde klar: Die gezeigten Bilder stammten aus einer Animation. Damals dämpfte Kawasaki selbst die Erwartungen und sprach vage von einem möglichen Entwicklungszeitraum von rund 25 Jahren – oder auch gar keiner Serienreife.
Vom Expo-Gag zum Entwicklungsprojekt
Inzwischen hat sich der Ton deutlich geändert. Kawasaki kündigt an, bis 2030 eine ganze Reihe funktionsfähiger Prototypen bauen zu wollen. Diese sollen auf der nächsten Weltausstellung in Riad, Saudi-Arabien, präsentiert werden. Besucher könnten sich dort auf den Maschinen fortbewegen – ähnlich niedrigschwellig, wie es die Tretroller zur Expo 2000 in Hannover ermöglichten, damals noch ganz ohne Apps oder Akkus.

Auf Basis dieser Prototypen soll anschließend die Serienentwicklung erfolgen. Der aktuelle Zielhorizont: Ab etwa 2035 könnte „Corleo“ tatsächlich käuflich zu erwerben sein – wo genau, ob beim Fahrzeughandel, im Spezialsegment oder ganz neuen Vertriebswegen, lässt der Hersteller offen.
Wasserstoff statt Hafer, Gummi statt Hufeisen
Technisch setzt Kawasaki auf eine Brennstoffzelle. Der Reitroboter wird mit Wasserstoff betrieben, nicht mit Batterien. Eine Füllstandsanzeige sitzt dort, wo man einem echten Pferd beruhigend den Hals tätscheln würde. Sinkt der Pegel, muss der Reiter laut Konzept eben rechtzeitig eine Wasserstoff-Tankmöglichkeit finden.
Die „Hufeisen“ bestehen aus Gummi, um Halt und Dämpfung zu bieten. Gesteuert werden soll Corleo nicht über Lenker oder Joysticks, sondern intuitiv über die Gewichts- und Körperbewegungen der Reiterin oder des Reiters. Einen klassischen Pferdekopf hat der Roboter bislang nicht – was in sozialen Netzwerken bereits zu scherzhaften Vorschlägen führte, dort doch gleich einen Bildschirm oder sogar eine Minibar zu integrieren.
Kawasaki betont zudem einen gesellschaftlichen Nutzen: Menschen mit Bewegungseinschränkungen könnten mit einem solchen System auch anspruchsvolles Gelände erleben, das ihnen sonst verschlossen bleibt.
Dass es dem Konzern ernst ist, zeigt auch die interne Struktur. Für Corleo und mögliche weitere Projekte dieser Art wurde eine eigene Einheit gegründet: das „Safe Adventure Business Development Team“. Es untersteht direkt dem Unternehmenspräsidenten – ein klares Signal für hohe Priorität. Wie viele „Pferdestärken“ der Roboter einmal haben wird, verrät Kawasaki allerdings noch nicht.
