Iren-Aktien stürzen nach Verlustquartal bei Wechsel zu KI-Cloud ab
Iren Limited blickt auf ein schwieriges Quartal zurück. Der Infrastrukturanbieter, der sich vom Bitcoin-Mining zum Anbieter von KI-Cloud-Diensten wandelt, verfehlte am Donnerstag (5. Februar 2026) klar die Erwartungen der Analysten. Die Aktie (NASDAQ: IREN) verlor im außerbörslichen Handel 11,45 Prozent.
Der Umsatz sank im zweiten Geschäftsquartal auf 184,7 Millionen US-Dollar, ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 19,57 Prozent unter der Prognose. Der Verlust je Aktie (EPS) belief sich auf minus 0,52 US-Dollar und verfehlte damit die Erwartung von minus 0,18 US-Dollar um 188,89 Prozent. Als Hauptgrund nannte das Management den geplanten Rückgang der Bitcoin-Mining-Einnahmen.
Langfristige Strategie trotz kurzfristiger Rückschläge
Trotz der enttäuschenden Zahlen betonte die Führung den langfristigen Kurs. „Strom ist für uns keine Einschränkung“, sagte Mitgründer und Co-CEO Daniel Roberts und verwies auf das Portfolio gesicherter Stromkapazitäten von über 4,5 Gigawatt. Das Unternehmen verfolge nicht kurzfristige Gewinnoptimierung, sondern baue einen dauerhaften, langfristigen Wert auf.
Diese Transformation wird durch erhebliche Finanzierungszusagen untermauert. Iren sicherte sich 3,6 Milliarden US-Dollar für GPU-Finanzierungen zu einem Zinssatz unter 6 Prozent. Zusammen mit 1,9 Milliarden US-Dollar Vorauszahlungen von Microsoft sind damit etwa 95 Prozent der Kapitalausgaben für einen 9,7 Milliarden US-Dollar schweren KI-Auftrag des Tech-Riesen gedeckt. Insgesamt hat das Unternehmen 9,2 Milliarden US-Dollar aus verschiedenen Quellen gesichert und hält 2,8 Milliarden US-Dollar an Barmitteln.
Der operative Weg bleibt jedoch herausfordernd. Das bereinigte EBITDA sank, beeinflusst von den schwächeren Mining-Erlösen. Nicht zahlungswirksame Posten beliefen sich auf 219,4 Millionen US-Dollar. Ein Steuervorteil in Höhe von 182,5 Millionen US-Dollar, hauptsächlich durch die Auflösung von Latenten Steuerschulden, glich Teile aus.
Ambitionierte Ziele und robuste Nachfrage
Iren hält an seinen ehrgeizigen Expansionsplänen fest. Bis Ende 2026 will das Unternehmen 140.000 GPUs im Einsatz haben und strebt einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 3,4 Milliarden US-Dollar an. Derzeit befinden sich laut Firmenangaben Verträge mit einer jährlichen Umsatzrate von rund 2,3 Milliarden US-Dollar in der Pipeline, davon etwa 400 Millionen US-Dollar am Standort Prince George in British Columbia.
Die Nachfrage von Hyperscalern und großen KI-Unternehmen sei weiterhin robust, betonte Chief Commercial Officer Kent Draper. Ein zentrales Verkaufsargument sei die „Time to data center“ – also die Geschwindigkeit, mit der Iren neue Kapazitäten ans Netz bringen könne. Das Unternehmen setzt auf ein vertikal integriertes Modell, bei dem es Rechenzentren selbst entwirft, baut und betreibt, um Kosten und Zeitpläne besser zu kontrollieren. Diese Flexibilität zeigt sich auch bei der Hardware: Die wachsende Nachfrage nach luftgekühlten GPUs, die schneller bereitgestellt werden können als flüssigkeitsgekühlte, kann so bedient werden.
Finanzvorstand Anthony Lewis erläuterte die Kapitalstrategie, die weiteres Wachstum bei resilienter Bilanz unterstützen soll. Das GPU-Finanzierungspaket von Goldman Sachs und J.P. Morgan ist ein verzögert abrufbarer Kredit, der durch die GPUs selbst und die vertraglich gebundenen Cashflows aus dem Microsoft-Geschäft besichert ist.
Roberts betonte, dass das KI-Cloud-Geschäft aktuell lukrativer sei als reines Colocation, da es höher in der Wertschöpfungskette angesiedelt ist. Das Unternehmen bleibe bei seiner Ausrichtung aber pragmatisch: „Bekommen wir ein überzeugendes Colocation-Angebot, werden wir es absolut verfolgen.“
Roberts verwies zudem auf die siebenjährige Aufbauarbeit und das vorhandene Humankapital als Wettbewerbsvorteil. „Die allerersten Rechenzentren, die wir gebaut haben, werden jetzt für NVIDIA-GPUs für eine KI-Cloud genutzt“, so der Co-CEO. Mit mehr als 4,5 GW gesicherter Stromkapazität – wovon nur 10 Prozent benötigt werden, um das ARR-Ziel zu erreichen – sieht sich Iren für das weitere Wachstum gerüstet, sofern der ehrgeizige Fahrplan eingehalten werden kann.