GSK sieht sich nach Haleon-Trennung auf Kurs – Aktie klettert auf Niveau von 2001
Die ersten vollständigen Jahreszahlen des Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) seit der Abspaltung seines Konsumgesundheitsgeschäfts Haleon zeigen ein Unternehmen im Wandel, das dennoch auf solidem Fundament steht. Die am 4. Februar vorgelegten Ergebnisse für 2025 übertrafen die Erwartungen und trieben die Aktie trotz eines vorsichtigen Ausblicks für das laufende Jahr nach oben.
Für das Gesamtjahr 2025 verzeichnete GSK einen Umsatz von 32,7 Milliarden Pfund, ein Plus von 7 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 6 Prozent auf 168,91 Pence. Im vierten Quartal erreichte der Umsatz 8,62 Milliarden Pfund. Als Wachstumstreiber erwiesen sich die „Specialty Medicines“ mit Therapien für Atemwegserkrankungen, Immunologie, Entzündungen, Onkologie und HIV. Auch das Impfstoffgeschäft legte zu, besonders bei Meningokokken-, Gürtelrose- und RSV-Impfstoffen.
Vorsichtiger Blick nach vorne
Der Fokus der Investoren lag jedoch auf der Prognose für 2026. Das Unternehmen erwartet ein Umsatzwachstum von lediglich 3 bis 5 Prozent, während der Kernbetriebsgewinn und der Gewinn je Aktie voraussichtlich um 7 bis 9 Prozent steigen sollen. Die Führung um den neuen CEO Luke Miels zeigte sich dabei bewusst zurückhaltend und nannte die Bereiche Impfstoffe und Allgemeinmedizin als mögliche Schwachstellen, die in diesem Jahr stagnieren oder sogar schrumpfen könnten.
Diese vorsichtige Tonlage wurde von Analysten positiv aufgenommen. „Die Prognose für 2026 – ohne Währungseffekte – wirkt vorsichtig und lässt Raum für mögliche Hochstufungen“, sagte John Murphy, Analyst von Bloomberg Intelligence. Technische Analysten wie Axel Rudolph von IG wiesen darauf hin, dass die Aktie nach einem Anstieg von rund 38 Prozent im vergangenen Jahr die „psychologisch wichtige 2000-Pence-Marke“ ins Visier nehme. GSK notiert damit auf einem Niveau, das zuletzt im Jahr 2001 erreicht wurde – ein Detail, das von Marktbeobachtern nicht übersehen wurde.
Hinter den Kulissen zeigt die finanzielle Lage ein robustes Bild: Eine Marktkapitalisierung von 107,59 Milliarden Pfund, eine operative Marge von 28,13 Prozent und eine Schulden-Quote von 1,1. Der Altman Z-Score von 2,13 liegt im grauen Bereich, doch der Piotroski F-Score von 8 deutet auf eine insgesamt gesunde finanzielle Situation hin.
Patentablauf und strategische Weichenstellungen
Die größte langfristige Herausforderung bleibt der bevorstehende Patentablauf für wichtige HIV-Medikamente im Jahr 2028. Die Fähigkeit des Unternehmens, rechtzeitig neue Produkte auf den Markt zu bringen, um diesen Verlust auszugleichen, steht im Zentrum der Investorenaufmerksamkeit. Dieser „Patent-Cliff“ erinnert an aktuelle Warnungen des US-Konkurrenten Merck, der ebenfalls vor den Auswirkungen von Patentabläufen für 2026 warnte.
Die strategische Neuausrichtung nach der Haleon-Abspaltung ermöglicht es GSK, sich voll auf die innovationsgetriebenen Segmente Pharmazeutika und Impfstoffe zu konzentrieren. Die Trennung schuf zwei klare Investment-Thesen: GSK für Wachstum durch pharmazeutische Innovation und Haleon für Anleger, die auf Konsumgüter setzen.
In einer am 4. Februar geplanten Webkonferenz wollte CEO Miels Fragen zur Impfstoffperformance, zur HIV-Entwicklungspipeline, zu späten Forschungsprojekten und zur Kapitalallokation beantworten. Entscheidungen über Prioritäten bei Produkteinführungen und mögliche Anpassungen des Forschungsportfolios stehen an.
Unterstützt werden Dividenden und Aktienrückkäufe weiterhin durch robuste Cashflows. Die anhaltende Portfoliobewertung, inklusive des möglichen Verkaufs nicht-strategischer Assets, bleibt ein weiteres Steuerungsinstrument für die Unternehmensführung. Wie bei allen großen Pharmaunternehmen stellen zudem Preisenwicklungen in den USA und Europa sowie Wechselkursschwankungen ständige Risikofaktoren dar.
GSK bekräftigte sein ambitioniertes langfristiges Umsatzziel von über 40 Milliarden Pfund bis zum Jahr 2031, das durch Fortschritte bei den Specialty Medicines und strategische Zukäufe erreicht werden soll. Ob das Unternehmen dieses Versprechen einlösen kann, hängt nun von den Weichenstellungen der kommenden Monate ab – in einer Branche, die unter verschärftem Wettbewerbsdruck, regulatorischer Prüfung und dem steten Schatten patentbedingter Umsatzeinbrüche steht.