FTSE 100 knackt Rekordmarke dank Übernahmeangebot und positiver Quartalszahlen
Londons Leitindex hat am Mittwoch ein neues Allzeithoch erreicht. Angetrieben wurde der Anstieg vor allem durch ein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Versicherer Beazley und eine Reihe überraschend starker Unternehmensberichte.
Der FTSE 100 schloss bei 10.402,34 Punkten, ein Plus von 0,9 Prozent oder 87,75 Punkten. Im Tagesverlauf hatte er sogar bis auf 10.481,54 Punkte zugelegt. Der FTSE 250 gewann leicht um 0,2 Prozent, während der kleinere AIM All-Share Index um 0,5 Prozent fiel.
Zürich will Beazley übernehmen
Eines der zentralen Ereignisse war die Ankündigung des Schweizer Versicherungskonzerns Zürich Insurance, ein Übernahmeangebot für den britischen Lloyd’s-Versicherer Beazley abzugeben. Das Angebot bewertet Beazley mit rund acht Milliarden Pfund. Der Vorstand von Beazley signalisierte Zustimmung, sollte ein förmliches Angebot folgen. Die Aktionäre sollen 1.310 Pence je Aktie erhalten, zuzüglich einer Dividende. Die Nachricht trieb die Beazley-Aktie um 6,9 Prozent nach oben.
Bemerkenswert ist, dass es sich um ein niedrigeres Angebot als einen im Juni abgelehnten Vorstoß handelt, der das Unternehmen noch mit 8,4 Milliarden Pfund bewertet hatte.
Ebenfalls stark im Fokus stand der Glücksspielkonzern Entain, dessen Aktie um 10 Prozent stieg. Grund war die Ankündigung, dass das gemeinsam mit MGM betriebene US-Unternehmen BetMGM im Jahr 2025 ein „Rekordjahr“ erzielt habe. Der Nettoumsatz stieg um ein Drittel auf 2,8 Milliarden Dollar, und aus einem Verlust von 291 Millionen Dollar im Vorjahr wurde ein Nettoeinkommen von 175 Millionen Dollar. Analysten sahen in der Meldung eine Beruhigung für einen „sehr nervösen Markt“.
Weitere deutliche Gewinner im FTSE 100 waren der Pharmariese GSK, dessen Quartalszahlen die Erwartungen übertrafen und dessen Aktie um 6,9 Prozent zulegte, sowie der Energie- und Gesundheitsdienstleister DCC mit einem Plus von 8 Prozent.
Gemischtes Bild international
Während in London die Stimmung positiv war, fiel das Bild international durchwachsen aus. In Europa stieg der französische CAC 40 um ein Prozent, der deutsche DAX 40 fiel jedoch um 0,7 Prozent. In New York zeigten sich die Indizes gespalten: Der Dow Jones gewann, während der technologie-lastige Nasdaq Composite um 1,6 Prozent zurückfiel.
Einzelwerte sorgten für Bewegung: Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk, bekannt für seine Abnehmmedikamente, brach nach enttäuschender Prognose um 17 Prozent ein. Sein US-Konkurrent Eli Lilly dagegen sprang nach starken Zahlen um 9,8 Prozent. Der Chip-Hersteller Advanced Micro Devices verzeichnete trotz solider Ergebnisse einen Absturz von 17 Prozent, was Analysten auf stark steigende Betriebsausgaben zurückführten.
Konjunkturdaten lieferten einen zwiespältigen Eindruck: Das Wachstum im britischen Dienstleistungssektor war im Januar schwächer als zunächst geschätzt, lag aber deutlich über dem Dezember-Wert. In den USA wuchs der Dienstleistungssektor weiter, allerdings bei anhaltendem Preisdruck. Die privaten Arbeitsplatzzahlen fielen mit nur 22.000 neuen Jobs im Januar schwächer als erwartet aus.
Am Rohstoffmarkt notierte Gold bei 4.916,04 Dollar je Unze niedriger, während der Preis für Brent-Öl leicht auf 67,41 Dollar pro Barrel stieg. Die britische Pfund verlor leicht gegenüber dem US-Dollar und wurde mit 1,3656 Dollar gehandelt.
Unter den größten Verlierern im FTSE 100 befanden sich der Bergbaukonzern Antofagasta, die Immobilienplattform Rightmove und die Bank Barclays. Als „Farbtupfer“ stach die Hausbauer-Aktie Berkeley hervor, die nach einer Heraufstufung durch JPMorgan von „Neutral“ auf „Overweight“ um 5,5 Prozent zulegte. Die Bank verwies auf eine „hochattraktive Situation“ im Londoner Mietmarkt und erwartet eine Trendwende beim Wohnungsbau.
Der Blick richtet sich nun auf den Donnerstag, an dem unter anderem Zinsentscheidungen der Bank of England und der Europäischen Zentralbank sowie Quartalszahlen des Telekomriesen BT und des Ölkonzerns Shell anstehen.
Beitrag von Alliance News.