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Wirtschaft

Cyberangriff legt Grundstücksverkäufe und Bauanträge in zwei Londoner Bezirken lahm

Ein schwerwiegender Cyberangriff hat die Verwaltung in zwei der wohlhabendsten Londoner Bezirke seit Monaten lahmgelegt. Der Royal Borough of Kensington and Chelsea sowie die City of Westminster können seit der Entdeckung des Angriffs am 24. November 2025 weder Bauanträge bearbeiten noch die für Immobilienkäufe erforderlichen Behördenauskünfte erstellen oder Wohngeldzahlungen leisten.

Planungsstopp und Transaktionschaos

Die Auswirkungen auf den immobilienmarkt sind gravierend. Nach Angaben des Grundbuchamts werden in Kensington and Chelsea jährlich etwa 2.000 Eigentumsgeschäfte getätigt, von denen viele nun betroffen sind. „Behördliche Auskünfte sind ein wesentlicher Teil des Immobilienkaufprozesses“, sagt Nick Gregori, Forschungsleiter der Plattform LonRes. Ohne sie sei eine Finanzierung mit einer Hypothek unmöglich.

Selbst Makler für Luxusimmobilien kämpfen mit den Folgen. Jo Eccles, Gründerin der Käuferagentur Eccord, berichtet, dass sie für Kunden in Westminster nun Versicherungspolicen gegen die Ausfallrisiken der ausgefallenen Behördenauskünfte beschaffen müsse. Diese seien erst im April zu erwarten. Privatbanken akzeptierten diese Lösung, reguläre Geschäftsbanken jedoch oft nicht, was Käufer ohne große Bargeldreserven praktisch ausschließe.

Architektin Emily Ceraudo hat zwei Genehmigungen in Schwebe: eine für ein denkmalgeschütztes Gebäude in South Kensington und einen Mansarddach-Ausbau in Mayfair. „Beide Klienten glaubten nicht, dass das gesamte Planungssystem so lange ausfallen könnte“, sagt sie. Es gebe Gerüchte, dass Bauunternehmer bereits Baustellen räumten und einige Klienten einfach im blinden Vertrauen auf eine nachträgliche Genehmigung mit Arbeiten beginnen würden.

Menschliche und finanzielle Härten

Neben dem immobilienmarkt trifft der Ausfall besonders vulnerable Gruppen. Die Wohngeldzahlungen sind unterbrochen, was sowohl Empfänger als auch Vermieter unter Druck setzt. Einer davon ist Laurence Turner, der eine Wohnung in Chelsea an eine ältere, gesundheitlich angeschlagene Dame vermietet.

Er erfuhr erst von der Situation, als die zweite Zahlung ausblieb. „Es war stressig, denn ich muss weiterhin meine Hypothekenzahlungen leisten“, sagt Turner. Ihm standen insgesamt 2.870 Pfund zu, bis diese Woche eine Zahlung eintraf. Ironic fand er, dass die Gemeinde es schaffte, die monatlichen Betriebskostenvorauszahlungen wieder einzuziehen, nicht aber die Wohngelder auszuzahlen.

Die betroffenen Rathäuser haben keinen konkreten Zeitpunkt für eine vollständige Behebung der Probleme genannt. Ein Sprecher von Kensington and Chelsea teilte mit, dass Systeme schrittweise und in Abstimmung mit der NCC Group, der Metropolitan Police und dem National Cyber Security Centre wieder hochgefahren würden.

Ein Teilservice für Grundstücksauskünfte solle „so bald wie möglich“ verfügbar sein, bevor der Vollbetrieb wiederhergestellt ist. Für Bauanträge gilt: Anträge können eingereicht, aber nicht über die formale Prüfung hinaus bearbeitet werden. Die Verwaltung aktualisiert täglich eine Online-FAQ und hat über 100.000 Haushalte über den Datenschutzvorfall informiert. Die Botschaft auf der Website des RBKC bleibt düster: Es werde noch Wochen der Störung geben, und es könne Monate dauern, bis alle Dienste wieder funktionieren.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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