Alphabet übertrifft Prognosen, doch hohe Investitionen sorgen für Zurückhaltung an der Börse
Die Anleger reagierten am Dienstag verhalten auf die hervorragenden Quartalszahlen von Alphabet, obwohl der Google-Mutterkonzern am 4. Februar 2026 erneut alle Erwartungen übertraf. Hinter den rekordverdächtigen Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2025 verbarg sich eine wachsende Nervosität der Märkte angesichts explodierender Ausgaben für die Zukunftstechnologien Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Computing.
KI als Hauptwachstumstreiber
Der Konzern meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 113,83 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent im Jahresvergleich. Der Nettogewinn stieg sogar um 30 Prozent auf 34,46 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie (EPS) lag zwischen 2,58 und 2,65 Dollar und übertraf damit sowohl den Vorjahreswert von 2,15 Dollar als auch die Analystenerwartungen von rund 2,63 Dollar. Die Führungsetage betonte, dass 80 Prozent des jüngsten Umsatzwachstums auf KI-getriebene Dienste und Produkte zurückzuführen seien.
Im Zentrum der Strategie stehen der hauseigene KI-Chip Tensor Processing Unit (TPU) und das neue KI-Modell mit dem Codenamen „Code Red“. Analysten der Bank Raymond James stufen Alphabet aufgrund dieser Initiativen mittlerweile als „Strong Buy“ ein und sehen darin „die hochwertigste KI-Wachstumsstory an den öffentlichen Märkten“. Auch die Bank of America verwies auf die differenzierende Wirkung von „Gemini 3.0 und dem TPU“, die neue Mega-Verträge ermöglichten.
Die Cloud-Sparte war mit einem Umsatz von 17,66 Milliarden Dollar und einem Wachstum von satten 47 Prozent der klarste Leistungsträger. Sie übertraf damit die Schätzungen von 16,18 Milliarden Dollar deutlich. Dies hob Alphabet besonders im direkten Wettbewerb mit Microsoft hervor, dessen jüngstes, gemäßigteres Cloud-Wachstum zu einem deutlichen Kursrutsch geführt hatte. Ein Analyst von 비즈니스포스트 wurde mit den Worten zitiert, Googles Cloud-Geschäft wachse schnell und sei eine stabile Cashflow-Quelle, im Gegensatz zu Microsoft.
Kapitalausgaben verdoppeln sich
Der Schatten auf den brillanten Zahlen warfen die gewaltigen Investitionspläne. Alphabet kündigte für 2026 Kapitalausgaben (Capex) in Höhe von 175 bis 185 Milliarden Dollar an – fast eine Verdopplung gegenüber 2025. Die BNP Paribas rechnet sogar mit bis zu 189 Milliarden Dollar, weit über der Markterwartung von 116 Milliarden. Diese gewaltigen Summen, die in den Ausbau der KI-Infrastruktur und Cloud-Kapazitäten fließen sollen, sorgen für Fragen nach der freien Cashflow-Entwicklung und künftigen Abschreibungen. Ein Marktbeobachter brachte die Stimmung auf den Punkt: „Selbst starke Gewinne könnten einen Verkauf nicht verhindern, wenn das Management das obere Ende dieser Spanne signalisiert, ohne einen klaren Weg zur Profitabilität aufzuzeigen.“
Dies erklärt die gedämpfte Reaktion der Börse: Die Aktie notierte nur leicht im Plus bei etwa 340,70 Dollar, bevor sie im außerbörslichen Handel minimal zulegte. Die Erwartungen waren nach einem 80-prozentigen Kursanstieg in den letzten sechs Monaten extrem hoch. Der Markt verlange nun nicht nur starke Zahlen, sondern auch den Nachweis, dass die Ausgaben für KI diszipliniert und an klare Monetarisierungsstrategien geknüpft seien, so ein Bericht.
Der Werbemarkt, das traditionelle Rückgrat mit einem Anteil von etwa drei Vierteln am Gesamtumsatz, blieb robust. Die kombinierte Umsätze aus der Google-Suche und YouTube-Werbung stiegen um 13 Prozent auf 94,9 Milliarden Dollar, auch wenn die YouTube-Werbeeinnahmen leicht unter einigen Prognosen lagen. Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie KI die Kerngeschäfte verändert: Die neuen KI-Funktionen in der Suche sollen das Suchvolumen erhöhen, ohne die Umsätze zu kannibalisieren. Bei YouTube gilt es, die Kurzvideo-Plattform Shorts gewinnbringend zu monetarisieren, ohne etablierte Werbeformate zu untergraben.
Alphabets Ergebnisse zeichnen das Bild eines Konzerns, der zwar an der Spitze der KI- und Cloud-Revolution marschiert, aber gleichzeitig den schwierigen Spagat zwischen hohen Investorenerwartungen, Wettbewerbsdruck und Kapitalallokation meistern muss. Der Konzern gilt in dieser Berichtssaison als das am aufmerksamsten beobachtete Großtechnologieunternehmen – die Latte für seinen Erfolg lag noch nie so hoch.