Markiplier feiert mit „Iron Lung“ ein eindrucksvolles Debüt im Horror-Kino
Markiplier, der YouTube-Star Mark Fischbach, hat sich mit seinem Debüt als Regisseur und Schauspieler in der Welt des Horrorfilms einen Platz gesichert. Mit „Iron Lung“, einem klaustrophobischen Sci-Fi-Horrorfilm, der auf einem Kultspiel aus dem Indie-Bereich basiert, hat der Influencer mehr als nur ein Projekt umgesetzt: Er hat ein spannungsgeladenes Kinoerlebnis geschaffen, das die Erwartungen übertrifft – sowohl bei Fans als auch bei Kritikern.
Ein ungewöhnlicher Filmstart
Was diesen Film von vielen anderen Influencer-geführten Projekten unterscheidet, ist die Leidenschaft und das Engagement von Markiplier. Laut Dexerto finanzierte und produzierte er „Iron Lung“ eigenständig, schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielte die Hauptrolle. Der Film basiert auf dem 2022 erschienenen Indie-Horrorspiel von David Szymanski. Die Handlung führt die Zuschauer in eine düstere Zukunft, in der das sogenannte „Quiet Rapture“ alle bewohnbaren Planeten und Sterne ausgelöscht hat. In dieser Welt geht Markipliers Charakter Simon, ein Verurteilter auf der Suche nach Freiheit, eine gefährliche Solo-Mission an. Er erkundet einen abgelegenen Mond, dessen Oberfläche von einem Ozean aus Blut bedeckt ist, und ist in einem heruntergekommenen U-Boot namens „Iron Lung“ eingeschlossen.
Der Weg des Films zum Kinostart zeigt, wie sehr digitale Fangemeinden heute Einfluss auf das Kino nehmen können. Nachdem Markiplier „Iron Lung“ 2022 auf seinem YouTube-Kanal gespielt hatte, zog das Spiel mit seiner retro-atmosphärischen Horror-Stimmung eine enorme Anhängerschaft an. Dies führte zu einem jahrelangen Anpassungsprozess, bei dem Markiplier mit Szymanski zusammenarbeitete und seine Fans mobilisierte, um Kinoaufführungen zu fordern. Das Ergebnis: Ein weltweiter Kinostart, der in Großbritannien begann und am 30. Januar 2026 in den USA sowie am 29. Januar 2026 in Australien Premiere feierte.
Ein minimalistischer Ansatz
„Iron Lung“ zeichnet sich durch einen radikal minimalistischen Ansatz aus, der sich stark von anderen Video-Spiel-Adaptionen unterscheidet. Der Film wurde mit kleinem Budget gedreht und bietet eine kleine, aber talentierte Besetzung, darunter Caroline Rose Kaplan, Seán McLoughlin, Troy Baker und sogar Szymanski selbst. Der Großteil des Films spielt sich in der engen, blutverschmierten Kabine des „Iron Lung“ ab, ohne dass die Kamera oft aus der engen Umgebung herauskommt. Anstelle von spektakulären Weltraumschlachten oder computergenerierten Monstern setzt der Film auf Atmosphäre, Andeutungen und eine langsame, stetige Entfaltung der Bedrohung.
IndieWire hebt hervor, dass dieser Fokus auf Klaustrophobie und Isolation einerseits der größte Trumpf des Films ist, andererseits aber auch seine Achillesferse. Das langsame Erzähltempo – manchmal quälend langsam – und lange Passagen technischer Details wie grüner Neonanzeigen und Navigationseinrichtungen könnten die Zuschauer ermüden. Es gibt Momente, in denen sich die Kamerafahrten in scheinbar endlosen Wiederholungen verlieren, was den Film in einigen Augen als langatmig erscheinen lässt.
Dennoch hat diese unerschütterliche Hingabe an Atmosphäre und Realismus auch viele Fans begeistert. Markipliers schauspielerische Leistung als Simon hat viele überrascht. Anfangs taten sich einige schwer, ihn als mehr als den bekannten YouTuber zu sehen, doch im Verlauf des Films verwandelt sich Markiplier in die Rolle des gequälten, verzweifelten Protagonisten. Ein Rezensent von Dexerto schrieb, dass Markipliers Performance „Momente von echter Wut, Angst, Verzweiflung und Wahnsinn“ beinhaltete, die die Zuschauer fesseln würden.
Nicht alle Kritiker waren jedoch so begeistert. IndieWire merkte an, dass Markipliers Schauspiel zwar von einem festen Engagement zeuge, aber oft an emotionaler Subtilität fehle. Der Film verlasse sich zu sehr auf innere Monologe und Exposition, was einige der ursprünglich bedrohlichen Elemente der Geschichte verwässern könnte. Besonders Simons Hintergrundgeschichte und die Schuld, die er wegen eines Vorfalls auf der „Filament Station“ trägt, werden nur angedeutet, was den Charakter eher zu einer leeren Hülle als zu einer tiefgründigen Figur mache.
Doch auch mit diesen Mängeln sticht „Iron Lung“ aus der Masse der Videospiel-Adaptionen hervor, die in den letzten Jahren häufig gescheitert sind. Anders als Projekte wie „Return to Silent Hill“, die oft wegen ihrer fehlenden Vision und Zynismus kritisiert wurden, ist Markipliers Film ernsthaft, detailverliebt und vermeidet allzu viele Insider-Witze oder selbstreferenzielle Anspielungen.
Das auffälligste Merkmal von „Iron Lung“ ist jedoch, wie es das Kinoerlebnis selbst verändert. Bei den ersten Vorführungen, die mit Markiplier-Fans gefüllt waren, erinnerte die Atmosphäre mehr an ein gemeinsames Livestream-Erlebnis als an einen traditionellen Kinobesuch. Die Zuschauer filmten den Bildschirm, unterhielten sich während langsamer Passagen und jubelten, wenn die Namen von Markipliers Mitwirkenden erschienen – Verhaltensweisen, die für Cinephile irritierend sein mögen, aber eine neue Form des Kinos widerspiegeln, die in der digitalen Kultur verwurzelt ist.
Markipliers Entscheidung, den Film selbst zu vertreiben und auf mehr als 2.500 Leinwänden zu zeigen, stellt ein mutiges Experiment dar. Anstatt auf traditionelle Marketingmethoden zu setzen, vertraute er auf die Unterstützung seiner Fangemeinde. Einige Kritiker sehen darin einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Filme – insbesondere solche aus der digitalen Kultur – ihr Publikum erreichen können.
„Iron Lung“ ist ein Film, der es wagt, anders zu sein. Mit all seinen Mängeln – dem langsamen Tempo, der unklaren Erzählweise und seiner oft quälenden Ernsthaftigkeit – stellt der Film ein faszinierendes Experiment dar, das die Grenzen zwischen digitaler und cineastischer Erzählkunst verwischt. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Experiment auf die Zukunft der Filmindustrie auswirken wird.