Luc Bessons neuer „Dracula“ setzt im Kino auf Romantik statt Schrecken
Seit dem 6. Februar 2026 läuft Luc Bessons neuestes Werk „Dracula“ in den Kinos. Der französische Regisseur wagt damit eine deutliche Neuinterpretation des Vampirklassikers, die den berüchtigten Graf weniger als Monster, sondern vor allem als tragischen, liebeskranken Helden zeigt. Diese romantische Wendung sorgt bereits für kontroverse Diskussionen unter Kritikern und Publikum.
Ein sympathischer Vampir im Mittelpunkt
Im Zentrum des Films steht Caleb Landry Jones in der Titelrolle. Seine Darstellung wird von vielen Rezensenten als herausragend gelobt. „The Hollywood Reporter“ bezeichnet ihn als „Geheimwaffe“ des Films und nennt ihn „die einfühlsamste Version des Charakters, die jemals auf der Leinwand zu sehen war“. Selbst inmitten von albernen CGI-Gargoylen und überschwänglichen Szenen mit tanzenden Aristokraten bleibe Jones überzeugend. Seine Performance ist stark von Gary Oldmans ikonischer Darstellung in Francis Ford Coppolas Adaption von 1992 inspiriert, bis hin zur weißen Haarmähne und pergamentartigen Haut.
Die Handlung beginnt im 15. Jahrhundert mit der kurzen Ehe von Prinz Vlad dem Pfähler (Jones) und Elisabeta (Zoë Bleu). Nach ihrem Tod durch osmanische Invasoren verflucht Vlad Gott und erlangt dadurch Unsterblichkeit. Vier Jahrhunderte später sucht er in Paris des späten 19. Jahrhunderts nach ihrer Reinkarnation, die er in Mina (ebenfalls Zoë Bleu) zu finden glaubt. Ein skurriler Detailunterschied zu anderen Adaptionen: Statt Gedankenkontrolle setzt Bessons Dracula auf ein unwiderstehliches Parfüm, um Frauen zu bezirzen – bei Mina jedoch verzichtet er darauf, um ihre Liebe aufrichtig zu gewinnen.
Christoph Waltz spielt einen von der Jagd auf Dracula besessenen Priester, eine klare Anspielung auf die Figur des Van Helsing. Seine theologischen Kommentare bilden einen Kontrapunkt zu Jones‘ Ernsthaftigkeit. Die visuelle Umsetzung des Films fällt jedoch durchwachsen aus. Während Danny Elfmans Score Atmosphäre schafft, werden die Spezialeffekte, insbesondere die CGI-Gargoyle, von Kritikern als schwach bezeichnet.
Ein Mix aus Genres und Logiklücken
Bessons Regie ist ambitioniert und schwankt zwischen gotischem Melodram, Slapstick-Humor und purem Kitsch. Szenen mit „hormonell aufgeladenen Nonnen“ und Draculas wiederholten, farcenhaften Suizidversuchen aus Verzweiflung erinnern eher an Mel Brooks als an Bram Stokers originalen Horrorklassiker von 1897.
Kritiker monieren jedoch handfeste Logikfehler in der internen Mythologie. So wird die Vampir-Allergie gegen Sonnenlicht in einer frühen Szene etabliert, um später im Film für alle Vampire, einschließlich desselben Charakters, ignoriert zu werden. Solche Inkonsistenzen zeigen die Priorität des Spektakels vor narrativer Kohärenz.
Trotz dieser Schwächen ist der Film durch seine schiere Kühnheit fesselnd. Er bietet eine neue, wenn auch bisweilen verwirrende Perspektive auf den Jahrhundertstoff. Für Besson steht eindeutig die romantische und absurde Komponente im Vordergrund, während Horrorelemente – abgesehen von Einzelszenen wie der Enthauptung von Draculas erster Jüngerin Maria (Matilda De Angelis) – zurücktreten.
Letztlich ist Luc Bessons „Dracula“ keine definitive Neuverfilmung, sondern ein mutiges, eigenwilliges Experiment. Es verbindet gothische Romantik mit Kitsch und dunklem Humor und lädt das Publikum ein, eine uralte Legende aus einem völlig neuen Blickwinkel zu erleben.