Frantic Assembly inszeniert dynamische Beziehungstragödie am Lyric Hammersmith
Die britische Theatertruppe Frantic Assembly setzt in ihrer neuen Produktion „Lost Atoms“ erneut auf intensive Körperlichkeit. In Anna Jordans Stück über Liebe und Verlust balancieren die beiden Darsteller auf einer schrägen Plattform und klettern über eine Wand aus Schubladen, während sie die Geschichte ihrer Beziehung rekonstruieren. Die physisch fordernde Inszenierung von Scott Graham bildet den Rahmen für eine einfühlsame Charakterstudie.
Vom „Meet Cute“ zur existenziellen Krise
Die Handlung folgt dem Werdegang der Beziehung zwischen dem zurückhaltenden Kochlehrer Robbie, gespielt von Joe Layton, und der lebhaften angehenden Künstlerin Jess, dargestellt von Hannah Sinclair Robinson. Ihr erstes Treffen ist ein modernes „Meet Cute“: Sie flirtet im Café, er flüchtet. Tage später verbinden sich ihre Geräte zufällig an einem Bahnhof neu – welcher es genau war, darüber streiten sie sich später, wie über so viele Details.
Ihre Romanze gewinnt an Fahrt bei einem Konzert, wo Jess aus ihrer Handtasche saubere Unterwäsche zückt, um eine Nasenblutung von Robbie zu stillen, die er sich im Moshing zugezogen hatte. Die Darstellung von Flirt und Sexualität erreicht eine seltene Direktheit und Erotik auf der Bühne. Jordan, die auch an Serien wie „Succession“ und „One Day“ mitschrieb, kehrt dabei klassische Märchenmuster um: Hier ist es die Frau, die als Ritter in glänzender Rüstung erscheint, um den Mann von einem vergangenen Trauma zu befreien.
Der Plot durchläuft alle Stationen einer modernen Beziehung – vom Zusammenziehen über die schmerzhaft komischen Elternbesuche bis hin zu Streit und Versöhnung. Immer wieder treten die Figuren aus der Erzählung, um sich im grellen Licht über ihre unterschiedlichen Erinnerungen zu streiten und ein zukünftiges, beziehungszerstörendes Ereignis anzudeuten.
Zarte Behandlung eines herzzerreißenden Themas
Dieses Ereignis dreht sich, wie der Artikel andeutet, um ein herzzerreißendes Thema im Zusammenhang mit dem Kinderkriegen. Der Kritiker betont, dass das Stück dies mit großer Feinfühligkeit behandelt und dass die Darstellung der Folgen in den Händen einer Autorin nicht sexistisch wirke. Zuschauer, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind oder waren, wird ein Blick auf die Inhaltshinweise der Produktion empfohlen.
Die Leistung der beiden Darsteller wird hervorgehoben: Sinclair Robinson bringe Schwung und vitale Energie mit, während Layton die Bedürftigkeit, Großzügigkeit und gelegentliche Boshaftigkeit seiner Figur einfange. Ihr Timing im Dialog sei makellos. Beide haben bereits früher mit der seit 32 Jahren bestehenden Company Frantic Assembly zusammengearbeitet, die für athletische Produktionen wie „Othello“ und „Metamorphosis“ bekannt ist.
Laut Rezension gelingt es der Inszenierung, die kraftvolle Choreografie organisch aus den Gefühlen der Charaktere entstehen zu lassen, anstatt sie ihnen aufzuzwingen. Als Schwachpunkt wird das etwas unentschlossene Ende genannt, in dem die Figuren sich in Spekulationen über mögliche Zukünfte verlieren. Die finale Botschaft, dass unsere Kämpfe im großen kosmischen Schema bedeutungslos sind, bleibe jedoch ein profundes Statement. Die Produktion ist noch bis zum 28. Februar am Lyric Hammersmith zu sehen.