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Unterhaltung

„Ballad Lines“: Ein feministisches Volksmusical mit Höhen und Tiefen

Das Zeit übergreifende musikalische Werk „Ballad Lines“ verbindet in seiner Erzählung Gegenwart und Vergangenheit, doch die Umsetzung wirkt in Teilen unüberzeugend. Der Versuch, eine moderne lesbische Geschichte mit historischen Erzählungen von Frauen im Widerstand zu verknüpfen, bleibt teils übertrieben und melodramatisch, hat jedoch auch Momente, die durchaus faszinieren.

Geschichte und Themen des Musicals

„Ballad Lines“, ein Volksmusical mit feministischen Tönen, setzt auf eine mutige Kombination von Gegenwart und Geschichte. Die Geschichte folgt der modernen lesbischen Sarah (Frances McNamee), die nach einer Entdeckung von Kassettenaufnahmen ihrer verstorbenen Tante Betty (Rebecca Trehearn) auf eine Reise geht, die sie mit ihren weiblichen Vorfahren verbindet. Diese Vorfahrinnen, von denen die Musik in der Familie über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurde, lebten in Schottland und Irland und trugen ihre Balladen in die Neue Welt. Sarah beginnt, sich mit den Erlebnissen ihrer Ahnen auseinanderzusetzen, während sie zugleich mit ihrer eigenen Entscheidung zum Kinderwunsch kämpft.

Die Geschichten der Vorfahrinnen sind in zwei historische Szenen verpackt: Im 17. Jahrhundert wehrt sich Cait (Kirsty Findlay) gegen die Vorstellung, ein Kind mit ihrem predigenden Ehemann zu bekommen, während Jean (Yna Tresvalles) im 18. Jahrhundert schwanger und entschlossen ist, alleinerziehend in der neuen Welt zu leben. Im Vergleich zu den historischen Erzählungen wirken die zeitgenössischen Szenen, in denen Sarah und ihre Partnerin Alix (Sydney Sainté) versuchen, ihre Beziehung und den plötzlichen Wunsch nach einem Kind zu verstehen, weniger tiefgründig und teilweise klischeehaft.

Musik und Inszenierung

Die Musik von Finn Anderson, der auch das Buch mitgeschrieben hat, bietet einige Höhepunkte, besonders die traditionellen Balladen, die durch kraftvolle Soli und harmonische Arrangements bestechen. Doch die modernen Songs, die in die Erzählung eingefügt wurden, schwächeln. Lieder wie „Chosen Family“ und „Secondhand Shame“ verlieren sich in simplen Slogans, während die historischen Balladen wie „The Four Marys“ und „Handsome Molly“ weitaus stärker wirken. Die choreografische Umsetzung wirkt in den historisch geprägten Szenen manchmal zu übertrieben und wenig überzeugend, während die Dialoge in diesen Szenen oft mit unnötiger Exposition und unnatürlichen Akzenten belastet sind.

Die Darstellung der Charaktere und die Dialoge zwischen den Figuren in den modernen Szenen erscheinen ebenfalls übertrieben, etwa als Sarah auf „die schrecklichen Leute im Weißen Haus“ hinweist. In einem besonders absurden Moment verheddert sich Sarah buchstäblich in einem Band aus Kassettenbändern, die von ihren Vorfahren hinterlassen wurden – ein symbolischer Moment, der in seiner Darstellung eher unfreiwillig komisch wirkt. Trotz dieser Mängel gelingt es einigen Darstellern, durch ihre starke Stimme und Präsenz zu überzeugen. So beeindruckt McNamee als Sarah mit einer hervorragenden Leistung, besonders in ihrem Duett mit Sainté.

Die Inszenierung des Musicals, das bis zum 21. März im Southwark Playhouse zu sehen ist, ist eine Mischung aus ergreifenden Momenten und klischeehaften Szenen. „Ballad Lines“ gehört zu einer Welle von folk-inspirierten Musicals, die von „The Curious Case of Benjamin Button“ bis zu „The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry“ reichen, und teilt einige thematische Elemente mit dem ebenfalls weiblich dominierten „Coven“. Die Show zeigt Potenzial, wird aber durch schwache Narrative und klischeehafte Darstellungen der feministisch geprägten Geschichten der Vergangenheit und Gegenwart gebremst.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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