Die Betonung des Leistungsvolumens im Krankenhaus und in der Langzeitpflege muss aufhören

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Mainz Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz verfgt ber eine fnfjhrige Expertise im Bereich der pflegerischen Selbstverwaltung. Anlsslich des Internationalen Tages der Pflegenden in der vergangenen Woche erklrte deren Prsident, Markus Mai, im Gesprch mit dem Deutschen rzteblatt, welche Plne die Bundes­pflege­kammer fr die kommenden Jahre hat, warum der Koalitionsvertrag aus Rheinland-Pfalz ein Erfolg fr die Pflege ist und wie Politik und Gesellschaft nun den Pflegenden helfen knnen, die durch die Coronapandemie am Ende ihrer Krfte sind.

Fnf Fragen an Markus Mai, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

D: In den vergangenen Jahren hat sowohl die Politik als auch die Selbstverwaltung in der Pflege viele Vernderungen angestoen beziehungsweise umgesetzt. Vieles steht allerdings auch noch aus. Sind Sie eher zuversichtlich angesichts des Erreichten und eher besorgt angesichts der Probleme?

Mai: Prinzipiell bin ich immer zuversichtlich auch, wenn man manchmal den Eindruck hat, dass man nicht verstanden wird oder verstanden werden will. Ja, wir haben schon einiges erreicht, aber noch lange nicht genug, damit es auch sprbar fr jede und jeden im Praxisfeld ankommt. Selbstverwaltung ist eine groe Herausforderung fr den Berufsstand Pflege, weil sie ja nicht nur Rechte, sondern auch Erwartungen mit sich bringt.

D: Wie bewerten Sie den vor kurzem vorgelegten Koalitionsvertrag der rheinland-pflzischen Koalition im Hinblick auf die Pflege?

Mai: Als Landespflegekammer freuen wir uns ganz besonders darber, dass auch unsere Positionen in den ausgehandelten Koalitionsvertrag aufgenommen wurden. Dies zeigt auch, dass die gute Zusammenarbeit mit der Landespolitik Frchte trgt und sich dort, wo der Berufsstand umfassend organisiert ist, fr die Verbesserung der pflegerischen Versorgung eingesetzt werden kann. Die professionelle Pflege erhlt im Koalitionsvertrag erfreulich viel Raum. Die Regierungsfraktionen tragen damit der herausragenden Bedeutung der Profession Pflege Rechnung und reagieren adquat auf die jngsten Grenzbelastungen, denen das Gesundheitswesen ausgesetzt ist.

So mchte sich die Landesregierung fr deutlich bessere Lhne einsetzen. Bereits seit 2017 sieht die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz in einem Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto eine gerechte Entlohnung und einen notwendigen Schritt, um die Fachkrftesicherung weiter voranzutreiben.

Wichtige Manahmen wie flchendeckende Tarifvertrge, die Frderung der Akademisierung des Pflegeberufs, die aktive Untersttzung der Schulen und Einrichtungen bei der weiteren Entwicklung der generalistischen Pflegeausbildung, Manahmen zur Erhhung der Ausbildungskapazitten und die Beschleunigung der Anerkennung auslndischer Berufsqualifikationen sowie Integrationsprogramme fr auslndische Pflegende sind positive Signale und richtige Anstze.

D: Die geplante Auflsung der Pflegekammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigt auch, dass die Arbeit einer Pflegekammer nicht fr alle sichtbar ist. Was hat die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz seit ihrer Grndung umgesetzt?

Mai: Wir haben eine interne Organisation fr die Berufsgruppe eingefhrt. Wir haben eine Weiterbildungsordnung und eine Berufsordnung mit Rechten und Pflichten fr unseren Berufsstand beschlossen. Wir haben eine politische Interessenvertretung begrndet, die viele Themen, die jetzt auf Landes- und Bundesebene umgesetzt werden, getriggert hat, zum Beispiel das Pflegebudget, Personalerweiterungen oder eine wirtschaftliche Tarifvergtung.

In Rheinland-Pfalz sind wir in allen relevanten Gremien vertreten. Da passiert nichts, was uns betrifft, ohne den Einfluss unseres Berufsstands. Whrend der Pandemie haben wir eng und vertrauensvoll mit dem Land zusammengearbeitet. Und wir geben eine Fachzeitschrift heraus, ber die wir unsere Mitglieder ber alle aktuellen Ereignisse informieren.

D: Die Lan­des­rz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz ist auch Mitglied der Bundes­pflege­kammer (BPK). Welche Plne hat die BPK fr die kommenden Jahre?

Mai: Zunchst wollen wir ankommen in der politischen Interessenvertretung als Dachorganisation der berufsstndigen Selbstverwaltung in der Pflege. Wir wollen nachhaltig an allen relevanten Gesetzen mitarbeiten und als klarer Interessenvertreter des Pflegeberufes mit dem Ziel auftreten, eine gute Versorgungsqualitt fr die Bevlkerung zu erreichen. Dabei werden wir auch unbequem sein, wenn es erforderlich ist.

D: Viele Pflegende werden nach dem Ende der COVID-19-Pandemie am Ende ihrer Krfte sein. Was knnen Politik und Gesellschaft aus Ihrer Sicht tun, um die Pflegenden in dieser Situation zu untersttzen?

Mai: Das, was man schon vorher htte tun mssen. Letztlich muss man die Pflegenden jetzt schnell entlasten. Neben intensiven Ausbildungs- und Fachkrfteintegrationsprogrammen fr auslndische Pflegepersonen kann Entlastung auch ber eine Reduktion der Leistungsdichte erfolgen. Allerdings darf das nicht dazu fhren, dass die jeweiligen Einrichtungen dafr bestraft und ihnen Mittel entzogen werden.

Letztlich ist die Finanzierungslogik sowohl in den Krankenhusern als auch in der Langzeitpflege auf Leistungsmenge fokussiert. Das muss schnell ein Ende haben. Entlastung kann auch durch die starke Einschrnkung brokratischer Vorschriften erfolgen. Dokumentation sollte nicht fr die Kostentrger gemacht werden, sondern ausschlielich, um im professionellen Pflegekontext nachzuvollziehen, was gemacht wurde und was gegebenenfalls geplant ist.

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