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Technik

Tesla entfernt Standard-Autopilot-Funktionen und verlangt teuren Upgrade

In einer überraschenden Wendung hat Tesla am 23. Januar 2026 offiziell die Standard-Autopilot-Funktionen in den neuen Modellen 3 und Y in Nordamerika eingestellt. Käufer müssen nun ein monatliches Abonnement von 99 US-Dollar für das „Full Self-Driving“ (FSD)-Paket abschließen, um Funktionen zu nutzen, die zuvor ohne zusätzliche Kosten verfügbar waren. Diese Entscheidung ist Teil eines umfassenderen finanziellen Umstrukturierungsplans des Unternehmens und hat die Elektrofahrzeug-Community erschüttert.

Das Ende von Autosteer und der Wandel der Tesla-Strategie

Tesla bot seit fast sieben Jahren eine Basis-Autopilot-Ausstattung an, die den Fahrern zwei Hauptfunktionen ermöglichte: den Verkehrs-abhängigen Tempomaten (TACC), der eine konstante Geschwindigkeit bei sicherem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält, sowie Autosteer, ein System zur Spurführung. Ab sofort wird jedoch nur noch TACC als Standardfunktionen angeboten, während Autosteer hinter der Paywall des FSD-Abonnements verschwindet. Dieser Schritt markiert einen Bruch mit der langjährigen Strategie Teslas, was sowohl bei Verbrauchern als auch bei Branchenbeobachtern für Verwunderung sorgt.

Die Auswirkungen dieser Änderung gehen jedoch über eine bloße Anpassung hinaus. Funktionen wie Autosteer, die eine wichtige Sicherheitsmaßnahme darstellen und zur Vermeidung von Spurabweichungen und Müdigkeit bei Fahrern beitragen, sind in vielen Economy-Fahrzeugen wie dem Toyota Corolla LE und dem Honda Civic bereits Standard. Tesla-Käufer hingegen müssen jährlich 1.200 US-Dollar extra zahlen, um dieselbe Funktion zu erhalten. Für viele Budgetbewusste, die monatliche Raten von 500 bis 600 US-Dollar anstreben, könnte dieser Schritt den Ausschlag geben, auf andere Marken umzuschwenken.

Die Änderung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Verkaufszahlen von Tesla sind seit zwei Jahren rückläufig, und das Unternehmen hat kürzlich bedeutende US-Subventionen verloren, die zuvor seine Gewinne stützten. Einige Branchenanalysten und Verbraucher vermuten, dass das Entfernen von Autosteer ein verzweifelter Versuch ist, die Einnahmen zu steigern, indem mehr Käufer zum teuren FSD-Abonnement gedrängt werden. Ein Kommentar auf Electrek stellt fest: „Tesla scheint völlig realitätsfern zu sein, was die Attraktivität ihrer Autos und die Fähigkeiten sowie den Wert der Konkurrenz betrifft. Die Zeiten, in denen Menschen in Scharen Teslas kauften, weil sie das beste Produkt auf dem Markt waren, sind vorbei.“ Stattdessen hat die Konkurrenz Tesla überholt und verfügt nun über den Vorteil, keinen umstrittenen CEO an der Spitze zu haben.

Subscription-Modelle und steigende Preise

Die jüngsten Preisänderungen von Tesla markieren einen deutlichen Pivot hin zu Abonnements und weg von einmaligen Softwarekäufen. Ab dem 14. Februar 2026 wird Tesla die einmalige Gebühr von 8.000 US-Dollar für FSD abschaffen und das Modell exklusiv auf ein monatliches Abonnement von 99 US-Dollar umstellen. CEO Elon Musk hat jedoch bereits angekündigt, dass dieser Preis steigen wird, wenn sich die FSD-Funktionalitäten weiter verbessern. In einem Post auf X (ehemals Twitter) erklärte Musk: „Ich sollte auch erwähnen, dass die 99 US-Dollar pro Monat für das überwachende FSD steigen werden, wenn sich die Fähigkeiten des FSD weiter verbessern.“ Er fügte hinzu: „Der riesige Wertsprung kommt, wenn man während der gesamten Fahrt am Handy sein oder schlafen kann (unüberwachtes FSD).“

Trotz dieser optimistischen Aussagen von Musk bleibt die aktuelle Realität von FSD eine andere. Der Online-Konfigurator von Tesla listet nun ausschließlich den Verkehrs-abhängigen Tempomaten als Standard auf allen Modell-3- und Modell-Y-Versionen, unabhängig vom Preis. Selbst die Performance-Version für 59.130 US-Dollar enthält Autosteer nicht, sondern bietet stattdessen eine 30-tägige FSD-Testversion an. Diese Änderung hat bei potenziellen Käufern für Verwirrung und Frustration gesorgt, viele wenden sich mittlerweile in sozialen Medien und äußern ihre Enttäuschung. Einige Kunden kündigen an, bei ihrer nächsten Fahrzeugwahl rivalisierende Marken zu bevorzugen.

Hinter dieser Entscheidung steht vermutlich der Versuch, die FSD-„Take Rate“ zu steigern. Laut dem Finanzchef von Tesla, Vaibhav Taneja, hatten bis Oktober 2025 nur 12 % der Tesla-Kunden FSD abonniert – ein weit entferntes Ziel im Vergleich zu den Ambitionen von Musk, die 10 Millionen aktive FSD-Abonnements bis 2035 zu erreichen. Für Musk ist dieses Ziel entscheidend für seine 1-Billionen-Dollar-CEO-Performanceprämie. Es wird spekuliert, dass das Entfernen der Spurhaltefunktion aus dem Standardpaket ein Versuch ist, mehr Kunden zur FSD-Subscription zu bewegen.

Der regulatorische Druck und die damit verbundenen rechtlichen Herausforderungen haben ebenfalls zu dieser Entscheidung beigetragen. Im Dezember 2025 entschied ein kalifornischer Richter, dass Tesla in Bezug auf die Marketingaussagen zu Autopilot und FSD irreführend gehandelt habe, was zu einer 30-tägigen Aussetzung der Herstellungs- und Händlerlizenzen von Tesla in Kalifornien führte. Die kalifornische Verkehrsbehörde, die den Fall angestrengt hatte, stimmte jedoch einer Aussetzung des Urteils für 60 Tage zu, um Tesla die Möglichkeit zu geben, die Autopilot-Bezeichnung zu ändern.

Obwohl Musk weiterhin an der Vision eines vollautomatisierten Fahrens festhält, bleibt das FSD-System derzeit ein überwachtes System, bei dem die Fahrer weiterhin die Hände am Lenkrad und die Augen auf der Straße behalten müssen. Tesla hat in der Vergangenheit mit Klagen und Untersuchungen zu FSD und Autopilot zu kämpfen gehabt. Die US-amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat den übertriebenen Erwartungen in Bezug auf Autopilot mit hunderten von Unfällen und mindestens 13 Todesfällen in Verbindung gebracht. Im Oktober 2025 leitete die NHTSA eine Untersuchung ein, nachdem Berichte auftauchten, dass Teslas mit FSD bei Rot über Ampeln fuhren und auf der falschen Straßenseite unterwegs waren.

Dennoch hält Tesla an seiner Vision einer Zukunft ohne menschliche Aufsicht fest. Am selben Tag, an dem das Unternehmen den Basis-Autopilot aussetzte, rollte es die ersten Robotaxi-Modell-Y-SUVs in Austin, Texas aus. Diese Fahrzeuge, die mit einer fortschrittlicheren Version von Teslas Fahrsoftware ausgestattet sind, fahren ohne menschliche Sicherheitsaufsicht, jedoch werden sie weiterhin von anderen Tesla-Fahrzeugen begleitet. Musk ist überzeugt, dass das echte „unüberwachte“ FSD bald Realität wird und die Nachfrage nach Teslas Fahrzeugen massiv ansteigen wird, wenn dies geschieht. Momentan bleibt das Unternehmen jedoch dabei, dass FSD eine aktive Fahrerüberwachung erfordert.

Die Reise von Tesla im Bereich der Fahrassistenztechnologie war von Höhen und Tiefen geprägt. Das Unternehmen führte Autopilot in den frühen 2010er-Jahren ein, nachdem Gespräche mit Google über die Nutzung seiner autonomen Fahrtechnologie gescheitert waren. Bis April 2019 war Autopilot standardmäßig in allen Teslas integriert. Im Laufe der Jahre hatte Tesla jedoch Schwierigkeiten, klar zu kommunizieren, was seine Software tatsächlich leisten konnte und was nicht, was bei Fahrern zu überhöhten Erwartungen führte, mit tragischen Folgen.

Im Jahr 2026 steht Tesla nun vor einer entscheidenden Wette auf Abonnements und fortschrittliche Autonomie. Das Unternehmen setzt darauf, dass Kunden für Funktionen zahlen werden, die einst selbstverständlich waren – und hofft, dass Wettbewerber und Regulierungsbehörden nicht schneller voranschreiten als es selbst. Es bleibt abzuwarten, ob diese Strategie aufgehen wird, aber eines ist sicher: Der Weg, der vor Tesla, seinen Kunden und der Zukunft des automatisierten Fahrens liegt, wird deutlich komplexer.

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Katrin Buhler

Katrin Bühler ist Redakteurin und Medienanalystin mit Schwerpunkt auf Technologie, Wissenschaft und Gesundheit. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen und digitale Trends und bereitet komplexe Themen verständlich und praxisnah auf.

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