Tech-Riesen im Visier: Google, Microsoft und Kenneth Cole mit Datenschutzklagen konfrontiert
Die weltweit größten Technologiekonzerne sehen sich einer neuen Welle rechtlicher Herausforderungen gegenüber, die ihre Praktiken im Umgang mit persönlichen Nutzerdaten betreffen. Google, Microsoft und Kenneth Cole Productions stehen im Mittelpunkt aktueller Klagen und behördlicher Untersuchungen, die vor allem in Kalifornien und Österreich für Aufsehen sorgen. Im Zentrum der Kritik stehen Fragen zur digitalen Privatsphäre und der Art und Weise, wie Unternehmen Nutzerdaten sammeln, verwenden und weitergeben.
Google setzt 68 Millionen Dollar zur Beilegung einer Sammelklage
Am 23. Januar 2026 stimmte Google einem Vergleich in Höhe von 68 Millionen Dollar zu, um eine Sammelklage vor einem Bundesgericht in San José, Kalifornien, beizulegen. Der Klage zufolge soll der Tech-Riese die Privatsphäre seiner Nutzer verletzt haben, indem er es seinem Sprachassistenten Google Assistant ermöglichte, private Gespräche aufzuzeichnen und weiterzugeben – selbst wenn die Nutzer den Assistenten nicht absichtlich aktiviert hatten. Die Klage führte an, dass der Google Assistant gewöhnliche Worte fälschlicherweise als Sprachbefehle interpretierte, was zu ungewollten Datenübermittlungen an die Google-Server führte.
„Ich hätte nie gedacht, dass meine privaten Gespräche als Datenpunkte für Werbung verwendet werden“, sagte ein Kläger, der die Besorgnis vieler geteilt hat, die der Sammelklage beigetreten sind. Der Vergleich betrifft alle Nutzer, die ein Google-Gerät erworben oder von diesen „Fehlannahmen“ seit dem 18. Mai 2016 betroffen waren. Es wird erwartet, dass Anwälte bis zu einem Drittel des Vergleichsbetrags – etwa 22,7 Millionen Dollar – als Honorare erhalten.
Google bestreitet in den Gerichtsunterlagen jegliches Fehlverhalten und gab an, den Vergleich geschlossen zu haben, um „das Risiko, die Kosten und die Unsicherheit eines langwierigen Rechtsstreits zu vermeiden“. Der Vergleich folgt auf eine ähnliche Einigung in Höhe von 95 Millionen Dollar, die Apple im Dezember 2024 mit Smartphone-Nutzern erzielte, und unterstreicht die zunehmenden rechtlichen Risiken für Technologiekonzerne im Hinblick auf Datenschutzverletzungen.
Kenneth Cole und Microsoft unter Beschuss
Doch Google ist nicht der einzige Tech-Gigant, der aktuell im Blickfeld der Datenschutzbehörden steht. Am selben Tag wie der Google-Vergleich reichten zwei kalifornische Kläger eine Sammelklage gegen Kenneth Cole Productions ein, in der sie dem Modeunternehmen vorwarfen, persönliche Daten trotz der ausdrücklichen Ablehnung von Cookie-Tracking an Dritte weiterzugeben. Die Klage konzentriert sich auf das Cookie-Zustimmungsbanner der Website von Kenneth Cole, das es Nutzern ermöglicht, das Tracking von Cookies für Marketing- und Analysezwecke abzulehnen. Die Kläger behaupten, dass ihre Daten trotzdem an Cookie-Anbieter übermittelt wurden.
„Es ist frustrierend“, sagte ein Kläger in der Klage. „Die Seite vermittelte mir den Eindruck, dass ich die Kontrolle über meine Privatsphäre habe, aber meine Daten wurden trotzdem weitergegeben.“ Die Klage macht auf die mangelnde Transparenz und die technischen Lücken bei digitalen Zustimmungsmechanismen aufmerksam. Während das Ergebnis des Kenneth Cole-Falls noch unklar ist, wird deutlich, dass Verbraucher und Regulierungsbehörden zunehmend auf die feinen Details und die technische Umsetzung von Datenschutzrichtlinien achten.
Parallel dazu kämpft Microsoft mit rechtlichen Problemen in Österreich. Am 27. Januar 2026 entschied die österreichische Datenschutzbehörde, dass Microsoft illegal Tracking-Cookies auf Geräten von Schulkindern installiert hatte, ohne deren Zustimmung einzuholen. Der Fall geht auf die Zeit der COVID-19-Pandemie zurück, als Schulen Microsoft 365 Education als Online-Lernplattform einführten. Die Cookies analysierten das Nutzerverhalten, sammelten Browserdaten und wurden zu Werbezwecken genutzt. Microsoft erklärte, dass seine Produkte alle erforderlichen Datenschutzstandards erfüllten, jedoch löste die Entscheidung eine neue Debatte über die Verantwortung von Tech-Unternehmen bei der Handhabung von Kinder-Daten aus.
Der Fall verdeutlicht die Komplexität der Verantwortlichkeiten im Bereich der Bildungstechnologie. Während der Pandemie mussten Schulen weltweit digitale Lernwerkzeuge schnell implementieren, häufig basierend auf den Datenschutzdokumenten und Zusicherungen der Softwareanbieter. Doch wie der Fall in Österreich zeigt, können selbst gut gemeinte Schulen und Ministerien von verborgenen Datenpraktiken überrascht werden.
Diese Entwicklungen kommen zu einer Zeit, in der Datenschutzaktivisten in der Europäischen Union die jüngsten Reformen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der KI-Gesetze kritisieren, da sie ihrer Meinung nach den Interessen von „Big Tech“ zugutekommen. Während Regulierungsbehörden und Gerichte versuchen, mit der rasanten Entwicklung der Technologie Schritt zu halten, befinden sich Unternehmen wie Google, Microsoft und Kenneth Cole in einem Minenfeld aus rechtlichen und rufschädigenden Risiken.
Für die Nutzer sind die Implikationen weitreichend. Ob es sich nun um einen Sprachassistenten handelt, der auf ein „Hot Word“ lauscht, ein Cookie-Zustimmungsbanner, das das Tracking nicht wirklich stoppt, oder ein Schul-Laptop, der heimlich Daten sammelt – die Grenze zwischen Bequemlichkeit und Überwachung ist so dünn wie nie zuvor. Obwohl Vergleiche und behördliche Entscheidungen in gewissem Maße Entschädigung bieten können, werfen sie die Frage auf, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Geschäftsmodelle von Unternehmen zu verändern, deren Gewinne auf Daten basieren.
Mit der Zunahme von Datenschutzklagen sowohl in den USA als auch in Europa sehen sich die Tech-Unternehmen gezwungen, sich mit einer neuen Realität auseinanderzusetzen – einer, in der Nutzer, Regulierungsbehörden und Interessenvertretungen keine vagen Versprechungen oder intransparente Praktiken mehr akzeptieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese hochkarätigen Fälle zu bedeutenden Reformen führen oder einfach zu raffinierteren Wegen, persönliche Daten zu sammeln und zu monetarisieren.