Ruto erklärt Azimio-Koalition ohne ODM-Partei für gescheitert
Präsident William Ruto hat die von seinem Vorgänger unterstützte Oppositionsallianz Azimio öffentlich als bedeutungslos abgetan. Bei einem Gottesdienst in Nairobi bezeichnete er das Bündnis als gescheitert und erklärte, es sei ohne die Mitwirkung von Raila Odingas Orange Democratic Movement (ODM) nicht lebensfähig.
Rutos Äußerungen richteten sich direkt gegen die jüngsten Wiederbelebungsversuche der Koalition, die von Ex-Präsident Uhuru Kenyatta ausgehen. „Ich habe gehört, sie versuchen, dieses Ding wiederzubeleben, das wir schon in den frühen Morgenstunden besiegt haben“, spottete der Präsident vor der Gemeinde. Seine Kernaussage war deutlich: „Azimio ohne ODM ist ein Zusammenbruch. Es ist ein Auto ohne Motor.“
Strategische Entwaffnung der Opposition
Der Angriff ist politisch kalkuliert. Indem Ruto die ODM hervorhebt, deren Schlüsselfiguren inzwischen mit seiner Regierung zusammenarbeiten, entzieht er Azimio gezielt die Grundlage ihrer Mobilisierungskraft. Der Präsident stellte die jüngste Führungsumbildung in der Koalition, die Kalonzo Musyoka zum neuen Azimio-Chef machte, als wirkungslos dar.
Aus Rutos Sicht stellt Musyokas als „gentlemanlike“ geltende Politik ohne die breite Basis der ODM-Anhänger kaum eine Bedrohung für seine angestrebte Wiederwahl im Jahr 2027 dar. Ein enger Verbündeter des Präsidenten zog später einen drastischen Vergleich: „Sie ordnen die Liegestühle auf der Titanic neu. Das Schiff ist 2022 gesunken. Es ist vorbei.“
Die Kritik am Engagement des ehemaligen Präsidenten Kenyatta war ebenfalls unmissverständlich. Ruto insinuierte, es handele sich um das verzweifelte Einmischen eines zurückgetretenen Königs, der die Bühne nicht verlassen wolle.
Psychologische Kriegsführung vor der Wahl
Die scharfen Worte vom Kirchentag waren mehr als nur rhetorisches Geplänkel. Sie sind Teil einer strategischen Kampagne, die darauf abzielt, die Opposition bereits lange vor dem eigentlichen Beginn des Wahlkampfs zu demoralisieren. Indem Ruto Azimio öffentlich für „tot und begraben“ erklärt, positioniert er seine eigene Regierung als die einzig handlungsfähige politische Kraft.
Diese psychologische Kriegsführung zielt darauf ab, die Wählerschaft mental auf die anstehende Wahlperiode einzustimmen und ihnen zu signalisieren, dass eine starke oppositionelle Alternative nicht existiere. Der Präsident agiert mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der nach eigenem Dafürhalten „alle Trümpfe in der Hand hält“.
Die von Ruto diagnostizierte „Spaltung“ innerhalb von Azimio zeigt sich laut Beobachtern bereits in Form abwandernder Partner und internem Streit um Einfluss. Ob die Koalition unter ihrer neuen Führung und mit der Unterstützung Kenyattas tatsächlich wieder zu einer ernsthaften Herausforderung für Rutos Kenya Kwanza-Bündnis werden kann, bleibt die zentrale Frage für die politische Zukunft des Landes.