Regen stoppt Honnolds gefährlichen Aufstieg am Taipei 101
Alex Honnold, der legendäre Freikletterer, musste seinen geplanten Aufstieg des Taipei 101 aufgrund von Regen um 24 Stunden verschieben. Die Verzögerung unterstreicht die tödlichen Risiken, die mit dem Klettern des 1.667 Fuß hohen Wolkenkratzers ohne Seil verbunden sind.
Der „Skyscraper Live“-Event von Netflix, der als globales Spektakel geplant war, stand unter keinem guten Stern, als Regen die glänzenden Glas- und Stahlflächen des Taipei 101 durchnässte und die Sicherheitsbedingungen massiv verschlechterte. Obwohl Millionen von Zuschauern weltweit bereit waren, Honnold in Echtzeit zu sehen, entschieden die Organisatoren, die Kletteraktion auf den folgenden Tag zu verschieben. Der unerschütterliche Honnold stimmte der Entscheidung zu und betonte, dass auf einer so glatten Oberfläche jede Feuchtigkeit zu einer tödlichen Gefahr werden könne.
Die Entscheidung zur Verschiebung
„Leider regnet es in Taipeh“, sagte Honnold in einer Videoansprache, während er zur in Nebel gehüllten Spitze des Taipei 101 blickte. „An Felsen kann man einen trockenen Halt finden, aber auf einem Glasgebäude bedeutet Feuchtigkeit den Tod. Es gibt keinen Spielraum für Fehler.“ Diese pragmatische Einschätzung zeigt, wie extrem die Bedingungen sind, unter denen Honnold operiert. Das Taipei 101 ist eine einzigartige Herausforderung, da der Wolkenkratzer aus acht „Bambus“-Segmente besteht, die zu massiven Überhängen führen und extreme körperliche Anstrengung erfordern, um überwunden zu werden. Der Aufstieg ohne Seil ist sowohl eine Ausdauer- als auch eine Fertigkeitsprobe.
Das Netflix-Dilemma
Für Netflix stellte die Verschiebung ein logistisches Albtraum dar, da die Streaming-Plattform den globalen Event akribisch vorbereitet hatte. Die Verantwortlichen kündigten an, dass ein „10-Sekunden-Verzögerung“ in der Live-Übertragung eingebaut wird, um im Fall eines dramatischen Zwischenfalls nicht sofort eine Tragödie zu senden.
Einige Kritiker bezeichneten das Event als „gruselig“ und warfen vor, dass es den Suizid kommerzialisiere. Für Honnold hingegen stellt es den nächsten Schritt dar, um das menschliche Potenzial zu testen. „Ich möchte nicht sterben“, sagte er. „Ich will perfekt leben.“
Der Kletteraufstieg wurde nun für den Sonntagmorgen neu angesetzt, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Die Wettervorhersagen deuten auf klareren Himmel hin, doch die hohe Luftfeuchtigkeit in Taipeh bleibt ein unberechenbarer Faktor. Ein nasser Untergrund würde es nahezu unmöglich machen, die glatten Aluminiumflügel des Gebäudes zu erklimmen.
Bis dahin bleibt die Welt gespannt. Honnold bleibt am Boden, seine Hände trocken und sein Blick fest auf den „menschengemachten Berg“ gerichtet, der derzeit unzugänglich ist.
Diese Verzögerung erinnert eindrucksvoll daran, dass im Freiklettern nicht nur der Gipfel erobert werden muss, sondern auch die Elemente überlebt werden müssen.