Ostafrika startet „One Health“-Rahmen zur Bekämpfung zukünftiger Pandemien
Mit den bleibenden Erinnerungen an Ebola und COVID-19 haben die ostafrikanischen Staaten eine umfassende Gesundheitsstrategie vorgestellt, um künftigen Krankheitsausbrüchen vorzubeugen. Doch die Umsetzung dieser ehrgeizigen Initiative wird durch finanzielle Lücken gefährdet.
Ein System zur Pandemieprävention
Im Schatten des Mount Meru in Arusha wurde heute ein bedeutender Schritt in Richtung einer gesünderen Zukunft für Ostafrika gemacht: Die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) präsentierte ihren ersten regionalen Plan zur Prävention, Vorbereitung und Reaktion auf Pandemien. Der „One Health“-Ansatz, der das Herzstück dieses Rahmens bildet, verfolgt das Ziel, künftige Gesundheitskrisen wie Ebola oder COVID-19 nicht erneut unvorbereitet zu treffen.
Der Plan wurde nach Jahren schmerzhafter Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie ins Leben gerufen, die die Fragilität der Grenzen und die mangelnde Solidarität der Industrieländer, vor allem beim Zugang zu Impfstoffen, offengelegt hat. Diese neue Strategie setzt auf Eigenständigkeit und erkennt an, dass Ostafrika bei einem zukünftigen Ausbruch möglicherweise auf sich allein gestellt sein könnte.
Die „One Health“-Philosophie betont die untrennbare Verbindung zwischen menschlicher Gesundheit, Tiergesundheit und der Umwelt. Da etwa 60% der neu auftretenden Infektionskrankheiten zoonotisch sind, ist dieser Ansatz nicht nur medizinischer Jargon, sondern eine Überlebensstrategie.
Surveillance und Finanzierungsprobleme
Ein zentrales Element der Strategie ist der Aufbau eines regionalen Überwachungssystems, das den Austausch von Echtzeit-Daten zwischen den Mitgliedsstaaten ermöglicht. So kann ein unerklärliches Fieber in einem abgelegenen Dorf der Demokratischen Republik Kongo nun innerhalb weniger Stunden den Gesundheitsbehörden in Nairobi oder Kampala gemeldet werden, statt Wochen zu warten.
Doch trotz der sorgfältig ausgearbeiteten Politik gibt es ernsthafte Bedenken bezüglich der finanziellen Mittel. Die EAC ist weiterhin auf externe Hilfe angewiesen, insbesondere von Organisationen wie der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), um diese Maßnahmen zu finanzieren. Ein Delegierter brachte die Problematik auf den Punkt: „Wir haben einen Plan aus der ersten Welt, aber ein Budget aus der dritten Welt“.
Für die Menschen in der Region, wie etwa die Händler an der Grenze in Busia oder die Bauern in Namanga, ist dieser Plan von entscheidender Bedeutung. Er könnte den Unterschied ausmachen zwischen einer lokal begrenzten Krankheitswelle und einem landesweiten wirtschaftlichen Zusammenbruch.
„Virusse brauchen keine Visa“, erinnerte der stellvertretende Generalsekretär der EAC, Andrea Aguer Ariik Malueth, mit einem mahnenden Blick auf die globale Bedrohung. Der neue Rahmen mag ein Schutzschild auf dem Papier sein, aber es wird politischer Wille und harte finanzielle Unterstützung benötigt, um ihn in ein robustes Verteidigungssystem zu verwandeln.