Oppositionsbündnis Azimio droht nach Führungsstreit der Zerfall
Das Oppositionsbündnis Azimio la Umoja steckt in einer tiefen Krise. Auslöser ist die umstrittene Ernennung von Kalonzo Musyoka zum neuen Koalitionsführer durch den ehemaligen Präsidenten Uhuru Kenyatta, die von Raila Odingas Orange Democratic Movement (ODM) scharf zurückgewiesen wird.
ODM ruft zum „totalen Krieg“ auf
Die ODM-Führung erklärte, sie sei nicht konsultiert worden und erkenne die Personalentscheidungen nicht an. Generalsekretär Edwin Sifuna stellte in Nairobi klar: „Wir wurden nicht konsultiert, wir erkennen diese Änderungen nicht an und wir werden uns nicht daran gebunden fühlen.“ Die Partei wirft Kenyatta vor, die Koalition wie einen privaten Kiosk zu führen, ohne den Mehrheitseigentümer einzubeziehen. Die Ernennung von Caroli Omondi zum Generalsekretär, der innerhalb der ODM als Rebell gilt, wird als weiterer Affront gewertet.
Für Kalonzo Musyoka, der sich lange als natürlicher Nachfolger Raila Odingas präsentiert hat, ist die Führungsrolle ein zweischneidiges Schwert. Ohne die Unterstützung der ODM und ihrer breiten Basis, insbesondere in Nyanza, bleibt seine Autorität wohl rein titulär. Die öffentliche Auseinandersetzung markiert den Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Odinga und Kenyatta seit ihrem historischen „Handschlag“ von 2018.
Machtkampf mit Blick auf 2027
Analysen deuten darauf hin, dass es sich bei Kenyattas Schritt um einen Machtpoker handelt, um die Oppositionsaufstellung für die Wahlen 2027 zu beeinflussen. Dies könnte Raila Odinga, der sich um den Vorsitz der Afrikanischen Union-Kommission bewirbt, gezielt ausmanövrieren. Das Bündnis, das eigentlich die Regierung kontrollieren sollte, bekämpft sich nun selbst.
Die Folgen könnten verheerend sein. Sollte sich die ODM aus der Koalition zurückziehen oder sie lahmlegen, wäre die oppositionelle Kontrollfunktion praktisch ausgeschaltet. Der Kampf um die Seele von Azimio hat begonnen, und er wird voraussichtlich politische Opfer fordern.