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Technik

Neues Gesetz stellt nicht einvernehmliche Deepfake-Pornos unter Strafe

Ab heute ist die Erstellung pornografischer Deepfakes ohne Einwilligung der abgebildeten Person in Großbritannien eine Straftat. Die Regelung, Teil des Data (Use and Access) Act 2025, sieht Gefängnisstrafen für Täter vor. Aktivisten begrüßen den Schritt als längst überfällig, fordern aber gleichzeitig weitere zivilrechtliche Schutzmaßnahmen für Betroffene.

Lücke im Gesetz und Forderung nach schnelleren Löschungen

Kritiker wie die Gruppe „Stop Image-Based Abuse“ weisen darauf hin, dass das reine Verbot der Herstellung nicht ausreicht. Sie fordern vereinfachte Mechanismen, damit Opfer Inhalte auch ohne langwierige Gerichtsbeschlüsse von Plattformen entfernen lassen können. Zusätzlich verlangen sie zivilrechtliche Wege zu Entschädigungszahlungen. „Die Kriminalisierung ist ein Schild, aber die Opfer brauchen auch ein Schwert“, so das Argument der Kampagnenführer.

Die Dringlichkeit wird durch eine Petition unterstrichen, die über 73.000 Menschen unterzeichneten und an die Regierung übergeben wurde. Ein besonderer Kritikpunkt ist die zeitliche Verzögerung: Das Gesetz erhielt zwar bereits im Juli 2025 die königliche Zustimmung, trat aber erst heute in Kraft. In dieser Zwischenzeit, so die Befürchtung, konnten tausende weiterer missbräuchlicher Bilder erzeugt und verbreitet werden.

Ein zentraler Fall, der die Debatte befeuerte, ist der von „Jodie“. Im Jahr 2021 entdeckte sie, dass ihr Gesicht in pornografische Videos eingefügt worden war. Sie beschrieb den Eingriff als „seelenzerstörend“. Ihr Peiniger, Alex Woolf, wurde nach einem zermürbenden Rechtsstreit schließlich verurteilt. „Ich hatte das Gefühl, in ein leeres Nichts zu schreien“, sagte Jodie heute vor Journalisten. Der neue Rechtsrahmen setzt nun auch international ein Zeichen und etabliert den Grundsatz, dass das eigene Gesicht Eigentum ist und die digitale Würde unantastbar bleibt.

Bildungsinitiativen und globales Signal

Neben den rechtlichen Schritten gewinnt die Forderung nach präventiver Aufklärung an Bedeutung. Es gibt zunehmend Rufe nach verpflichtender Bildung in Schulen über digitale Einwilligung und die Ethik künstlicher Intelligenz. Die britische Gesetzgebung wird als wichtiges globales Präzedenz für andere Nationen gewertet, die mit den Folgen der KI-Explosion ringen. Tech-Konzerne stehen damit unter wachsendem Druck; die Ära der passiven Komplizenschaft beim Hosting solcher Materialien neigt sich dem Ende zu.

Für Betroffene wie Jodie bedeutet der heutige Tag einen Neuanfang. Die Angst, mit gestohlener digitaler Identität aufzuwachen, ist zwar nicht verschwunden, aber das Gesetz ist nun erstmals auf ihrer Seite. Ihre Botschaft an die Täter ist deutlich: „Das Gesetz hat mit eurem Code gleichgezogen.“ Sie erklärte abschließend: „Wir holen uns unsere Bilder zurück. Und wir holen uns unseren Frieden zurück.“

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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