Kenya fordert von Russland ein Ende der Rekrutierung von Söldnern für den Ukraine-Krieg
Die kenianische Regierung hat Russland direkt für den Tod zahlreicher kenianischer Staatsbürger in der Ukraine verantwortlich gemacht. Außenminister Musalia Mudavadi kündigte an, nach Moskau zu reisen, um die illegale Anwerbung von Söldnern an der Quelle zu stoppen.
In einem ungewöhnlich scharfen Vorwurf erklärte Mudavadi, Russland ermögliche durch bewusste Nachsicht gegenüber illegalen Rekrutierungsnetzwerken den Zustrom kenianischer Kämpfer. „Diese Schlupflöcher können nicht der Regierung angelastet werden“, sagte er und verwies gleichzeitig auf Moskaus „offene Tür“-Politik für ausländische Kämpfer.
Die Suche nach den Toten
Im Zentrum der diplomatischen Krise steht eine düstere humanitäre Lage. Bislang konnten 27 überlebende Kenianer von der Front zurückgebracht werden. Für die Familien der Gefallenen jedoch beginnt ein Albtraum. Sie sind in ihrer Trauer gefangen, da die Bergung der Leichen in einer aktiven Kriegszone nahezu unmöglich ist.
Mudavadi räumte ein, dass seine Regierung sogar Kontakt zu Kiew aufgenommen hat – der Regierung, gegen die diese Kenianer gekämpft hatten – um bei der Rückführung der sterblichen Überreste zu helfen. „Familien, mit denen wir gesprochen haben, sagen, sie konnten ihre Angehörigen nicht beerdigen“, so der Minister. Die 27 Zurückgekehrten erhalten psychologische Betreuung, doch die Traumata werden durch das Stigma ihrer Entscheidung verstärkt.
Hinter der verzweifelten Reise junger Männer steht die wirtschaftliche Not in Kenia. Die finanziellen Angebote der russischen Armee seien für arbeitslose Jugendliche trotz der hohen Todesraten weiter unwiderstehlich, heißt es. Dieser Zustand belaste nun die historisch guten Beziehungen zwischen Nairobi und Moskau.
Diplomatische Mission mit Hindernissen
Mudavadis angekündigte Reise nach Moskau ist eine Krisenmission. Sein Ziel ist es, strengere Visaprotokolle und eine Unterbindung der Schattennetzwerke zu fordern, die junge Kenianer von den Wohnsiedlungen Nairobis in die Schützengräben des Donbas bringen.
Ob Moskau bereit ist, eine Pipeline zu schließen, die billige, entbehrliche Arbeitskräfte liefert, bleibt die entscheidende Frage. Mit jedem weiteren Todesfall, so Mudavadi, werde das Narrativ vom „Abenteuer“ endgültig durch das der Ausbeutung ersetzt.