Japan schaltet größtes Atomkraftwerk der Welt wieder an
Die Tokyo Electric Power Company (TEPCO) hat am Montag um 14:00 Uhr den Reaktorblock 6 im Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata wieder hochgefahren. Die Anlage, die als leistungsstärkstes Atomkraftwerk der Welt gilt, war nach der Fukushima-Katastrophe 2011 stillgelegt worden. Der Neustart erfolgte nach einem peinlichen Fehlversuch in derselben Woche, bei dem ein „kleiner technischer Defekt“ zu einer sofortigen Abschaltung führte.
Die Entscheidung markiert eine energiepolitische Kehrtwende für Japan. Die Regierung begründet den Schritt mit der angespannten globalen Lage und der Notwendigkeit, die Energieversorgung zu sichern. Ein Handelsministeriumsbeamter sagte, man könne „keine moderne Volkswirtschaft mit Angst betreiben“. Das Land ist stark von importiertem Flüssigerdgas (LNG) abhängig, dessen schwankende Preise die Wirtschaft belasten.
Sicherheitsbedenken und globale Signalwirkung
Kritiker verweisen jedoch auf das hohe Risiko. TEPCO war auch der Betreiber des havarierten Kraftwerks in Fukushima. Das AKW Kashiwazaki-Kariwa liegt zudem auf einer geologischen Verwerfungslinie, was den Betrieb zu einem Wagnis macht. Trotz massiver neuer Sicherheitsvorkehrungen wie hoher Schutzmauern und gefilterter Entlüftungssysteme blieb das öffentliche Misstrauen groß. In Tokio kam es zu Protesten, bei denen Bürger ihre Angst vor einem weiteren Super-GAU zum Ausdruck brachten.
Die Rückkehr zur Atomkraft wird international aufmerksam verfolgt, auch von Entwicklungsländern wie Kenia, die selbst über einen Einstieg in die Kernenergie nachdenken. Japan priorisiert mit dieser Entscheidung die energiepolitische Unabhängigkeit über die öffentliche Stimmung – ein Vorbild für andere rohstoffarme Nationen. Fachleute sehen in der Kernkraft den einzig gangbaren Weg, um die Netto-Null-Emissionsziele zu erreichen und wirtschaftliche Stabilität zu wahren.
Die Wiederinbetriebnahme gilt als Startschuss für eine weltweite Renaissance der Atomenergie. Für Japan ist es ein Balanceakt mit extremen Konsequenzen: Der Betrieb muss nun jeden Tag aufs Neue fehlerfrei verlaufen. Ein einzelnes Übersehen, ein Sensorfehler oder ein starkes Erdbeben könnte den als Triumph gefeierten Neustart in eine Tragödie verwandeln, die die gesamte Branche endgültig beenden würde. Während die Turbinen ihre volle Leistung erreichen, hält die Welt den Atem an.