IEBC-Chef Marjan nach internem Machtkampf um Vertrag gezwungen zu gehen
Der CEO der kenianischen Wahlkommission IEBC, Marjan Hussein Marjan, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten entfernt worden. Die offizielle Begründung eines einvernehmlichen Ausscheidens wird von Insidern als Resultat eines erbitterten Machtkampfes im Kommissionsvorstand entlarvt.
Neuer Vorsitzender setzt sich durch
Angeheizt wurde der Konflikt durch die heimliche Verlängerung des Vertrages mit der umstrittenen Technologiefirma Smartmatic. Marjan habe den Vertrag für weitere zwei Jahre einseitig verlängert, ohne die volle Zustimmung des neu konstituierten Kommissionsteams unter Vorsitzendem Erastus Ethekon einzuholen, wie Quellen berichten. Dieser Schritt wurde als Versuch gewertet, die IEBC an einen Lieferanten zu binden, der bereits Gegenstand intensiver politischer Rechtsstreite war.
Ethekon, der seine Autorität festigen und die Kommission von der „alten Garde“ säubern wollte, nutzte diesen Verfahrensverstoß als Hebel, um Marjan aus dem Amt zu drängen. Marjans angebliches Verhandlungsangebot, eine Abfindung in Höhe seiner vollen Bezüge bis zum Vertragsende 2027 zu erhalten, verhärtete dabei die Haltung der Kommission und führte zur sofortigen Amtsenthebung.
Die Opposition, angeführt vom Azimio-Lager, feiert den Abgang als großen Sieg. Sie hatte Marjan monatelang angegriffen und ihn als operativen Architekten ihrer Wahlniederlage 2022 bezeichnet. Seine Entfernung war für sie eine Voraussetzung für neues Vertrauen in die Wahlbehörde.
Vakuum und Wettlauf gegen die Zeit
Die abrupte Entlassung hinterlässt ein gefährliches Vakuum in der IEBC-Geschäftsführung, genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Vorbereitungen für die nächste Generalwahl 2027 an Fahrt aufnehmen müssten. Das gesamte Sekretariat sei demoralisiert und von Angst vor einer weiteren Säuberungswelle erfasst.
Ein drängendes Problem ist nun der in der Schwebe befindliche Vertrag mit Smartmatic. Die Wahlkommission steht vor einem Wettlauf gegen die Zeit, um neue Wahltechnologie zu beschaffen und zu testen. Jede Verzögerung in diesem Prozess könnte, wie es heißt, für die Wahl 2027 verheerend sein.
Alles Augenmerk liegt nun auf Vorsitzendem Ethekon. Indem er Marjan entfernte, signalisierte er einen Bruch mit der Ära seines Vorgängers Wafula Chebukati. Er muss nun beweisen, dass es sich bei dieser Maßnahme um einen Schritt für mehr Integrität handelte und nicht lediglich um eine parteiische Säuberungsaktion, um neue Gatekeeper einzusetzen. Die Glaubwürdigkeit der Wahl 2027 steht auf dem Spiel, und die Uhr tickt.