Die verdeckte Abzocke: Kenia Power und die undurchsichtigen Stromtarife
Eine detaillierte Untersuchung zeigt, wie das undurchsichtige Tarifsystem von Kenia Power die Haushalte belastet und den Stromverbrauch zur Lotterie macht.
Es ist der lautlose Dieb in Ihrem Stromzähler: Die „drei-tier Tarifsystem“ von Kenia Power, das die Loyalität bestraft und Prepaid-Zähler in eine Glücksspielmaschine verwandelt, wird hier aufgedeckt. Millionen von Kenianern starren seit Monaten auf ihre Strom-Tokens und fragen sich, warum sie heute mit 1.000 KSh noch 50 Einheiten erhalten, aber morgen nur noch 32. Das liegt nicht an einem Fehler, sondern an einem bewusst eingesetzten System. Kenia Power hat leise ein „punitives Tarifsystem“ eingeführt, das nicht nur den aktuellen Verbrauch, sondern auch den Verbrauch der letzten drei Monate berücksichtigt.
Die „Lifeline-Tarif“-Täuschung
Im Zentrum des Durcheinanders steht der vermeintlich wohltätige „Lifeline-Tarif“. Auf dem Papier klingt er wie eine Rettung für die wirtschaftlich schwächeren Haushalte: Ein subventionierter Preis von 12,24 KSh pro Einheit für arme Haushalte. Doch der Teufel steckt im Detail: Um in den Genuss dieses Tarifs zu kommen, muss der Haushalt unter 30 Einheiten pro Monat verbrauchen. Wird diese Grenze um eine einzige Einheit überschritten, wird der Haushalt automatisch in die Kategorie „Domestic Ordinary 1“ verschoben, was zu einem Preis von 16,58 KSh pro Einheit führt.
Die Untersuchung zeigt, dass dieser Wechsel nicht nur für die zusätzlichen Einheiten gilt, sondern für alle verbrauchten Einheiten. Das bedeutet, dass ein Haushalt, der 31 Einheiten verbraucht, für alle 31 Einheiten zu einem höheren Preis zahlen muss – was zu einer übermäßigen Bestrafung für minimalen Mehrverbrauch führt.
Die „Rolling Average“-Falle
Das umstrittenste Element des Systems ist jedoch die „Rolling Average“-Regelung. Kenia Power berechnet die Kosten nicht nur auf Grundlage des aktuellen Verbrauchs, sondern berücksichtigt den durchschnittlichen Verbrauch der letzten drei Monate. Wenn der Dreimonatsdurchschnitt 100 Einheiten überschreitet, wird der Haushalt automatisch in die „Domestic Ordinary 2“-Kategorie eingeordnet. In diesem Tarif steigen die Preise auf mehr als 20,58 KSh pro Einheit.
Die Folgen sind gravierend: Selbst wenn Sie in einem Monat, wie etwa Januar, keinen Strom verbrauchen, weil Sie im Urlaub sind, aber im Dezember für eine Feier mehr Strom verbraucht haben, werden Sie dennoch zu den höheren Preisen berechnet, die für den Dezemberverbrauch gelten.
„Wir werden beraubt“, sagt James Mburu, ein Energieökonom in Nairobi. „Das ist keine Abrechnung, das ist eine Falle. Man kann einen Verbraucher im März nicht für den Strom bestrafen, den er im Dezember verbraucht und bereits bezahlt hat. Das widerspricht der Logik eines Prepaid-Systems.“
Bis die Energy and Petroleum Regulatory Authority (EPRA) eingreift, um diese Tarife zu reformieren, müssen die Kenianer sich mit der tristen Realität abfinden: Im Auge des Monopols zählt nur der Durchschnittsverbrauch, nicht die Treue der Verbraucher.