Deutsche Autoindustrie warnt vor existenzieller Krise durch EU-Regulierung
Frankfurt/Brüssel. Die deutsche Automobilindustrie sieht ihre Zukunft durch die Politik der Europäischen Union akut gefährdet. In einer scharfen Anklage wirft der Verband der Automobilindustrie (VDA) der EU-Bürokratie Realitätsverlust vor und fordert einen Kurswechsel, um den massiven Abwanderungsdruck und Standortnachteil zu bremsen.
Kapitalflucht und Fabrikschließungen als Alarmzeichen
Die Lage spitzt sich zu: Volkswagen denkt erstmals in seiner Geschichte über Werksschließungen in Deutschland nach. Audi stellt seinen Standort in Brüssel ganz ein. Grund ist eine investitionsfeindliche Umgebung, so der Vorwurf. Eine interne Umfrage ergab, dass fast drei Viertel der deutschen Autobauer Investitionen im Heimatmarkt verschieben oder streichen. Das Kapital wandert stattdessen in die USA und nach China ab, wo die Industrie nach Ansicht des VDA aktiv unterstützt statt behindert wird.
„Allzu oft zeigt Brüssel einen gefährlichen Mix aus Realitätsverleugnung und Illusionen über die eigene Bedeutung“, sagte VDA-Chefin Hildegard Mueller in Frankfurt. Der Kern des Protests sind die verschärften CO2-Ziele für 2025 und das geplante De-facto-Verbrenner-Aus ab 2035. Die Technologie sei machbar, doch der wirtschaftliche Zeitplan unter den aktuellen Marktbedingungen sei „wirtschaftlich selbstmörderisch“.
Die Nachfrage nach Elektroautos stagniere, seit die staatlichen Kaufprämien ausliefen. „Wir werden gezwungen, Autos zu produzieren, die der Markt nicht kauft, während chinesische Wettbewerber den Markt mit subventionierten Alternativen überschwemmen“, zitiert der Verband einen hochrangigen Brancheninsider. Der chinesische Hersteller BYD gewinne mit günstigeren, hochtechnologischen E-Autos Marktanteile. Die EU-Antwort in Form von Strafzöllen sei dabei nur ein Pflaster auf einer Schusswunde, da sie die hohen europäischen Produktions- und Energiekosten nicht löse.
Appell an Brüssel für eine Realitätsprüfung
Die Branche, die in Europa fast 14 Millionen Menschen beschäftigt und als Rückgrat des sozialen Modells gilt, fordert einen sofortigen Stopp neuer Regulierung und eine Überprüfung des Verbrenner-Verbots für 2035. Der VDA appelliert an die EU, endlich eine „Realitätsprüfung“ vorzunehmen.
Bislang zeige sich Brüssel jedoch unbeeindruckt und halte an der Linie des Green Deal fest. Sollte es keine politische Kehrtwende geben, drohe das Aus für eine Jahrhundert-Ikone: Das „Made in Germany“-Auto, ein Symbol ingenieurschaftlicher Spitzenleistung, könnte durch die Regulierung der eigenen Schutzmacht zum Auslaufmodell werden. Die Schockwellen eines Kollapses wären von Wolfsburg bis Bratislava zu spüren.