Australisches Gericht verurteilt Autorin wegen Kinderpornografie in Roman
In einem beispiellosen Fall im australischen Justizsystem hat ein Gericht eine Autorin wegen der Produktion von Kinderpornografie verurteilt – obwohl es sich bei dem umstrittenen Material ausschließlich um Text handelt. Die 34-jährige Lauren Ashley Mastrosa aus Sydney wurde schuldig gesprochen, weil ihr selbstveröffentlichter Dark-Romance-Roman „Daddy’s Little Toy“ nach Auffassung des Gerichts Kinder sexualisiere.
Fantasie überschreitet gesetzliche Grenze
Die Verurteilung erfolgte wegen dreier Anklagepunkte: des Besitzes, der Verbreitung und der Herstellung von Kinderpornografie. Laut Polizeiaussagen enthielt das Buch zahlreiche Stellen, die eine vernünftige Person als eindeutig anstößig empfinden würde. Das Gericht unter Richterin Bree Chisholm wies die Verteidigung zurück, die auf die fiktive Natur der Geschichte und einvernehmliche Erwachsenen-Rollenspiele verwiesen hatte.
Magistratin Chisholm begründete das Urteil damit, dass die Beschreibungen im Kopf des Lesers „das visuelle Bild eines erwachsenen Mannes, der sexuelle Handlungen mit einem kleinen Kind vornimmt,“ erzeugten. Der Roman handelt von einer 18-jährigen Protagonistin, die mit einem älteren Mann ein Rollenspiel als Kleinkind ausübt. Das Buchcover zeigte Kinder-Alphabetblöcke, und der Text verwendete laut Gericht infantilische Sprache in sexualisiertem Kontext.
Mastrosa, die unter dem Pseudonym Tori Woods schreibt und hauptberuflich für eine christliche Wohltätigkeitsorganisation arbeitet, saß während der Urteilsverkündung im Blacktown Local Court schweigend auf der Anklagebank. Ihr doppeltes Leben wurde auf diese Weise öffentlich enthüllt.
Obwohl der Roman im März über eine Online-Vorabveröffentlichung zugänglich gemacht wurde und eine „Vielzahl von Triggerwarnungen“ für Altersunterschiede und „Daddy-Kink“ enthielt, stellte das Gericht klar, dass solche Hinweise den Inhalt nicht vor dem australischen Kinderschutzrecht schützen.
Präzedenzfall für literarische Inhalte
Das Urteil sendet eine klare Warnung an die „Dark Romance“-Community, dass die Grenze zwischen Fantasie und Illegalität von realen Gesetzen überwacht wird. Es bestätigt, dass das geschriebene Wort, sobald es Bilder von Kindesmissbrauch beschwört, vor dem Gesetz das gleiche Gewicht haben kann wie visuelles Material.
Die Entscheidung löste eine Debatte über die Regulierung von Online-Literatur und die Verantwortung von Autoren im digitalen Zeitalter aus. Sie bekräftigt eine strenge Auslegung der gesellschaftlichen Standards bezüglich der Sexualisierung von kindlichen Bildern, selbst im Kontext von Erwachsenen-Rollenspielen.
Mastrosa steht nun vor der Möglichkeit einer Freiheitsstrafe. Während sie auf ihre Sentenz wartet, markiert der Fall einen einschneidenden Präzedenzfall für die Welt des Self-Publishing und stellt die Frage, wie weit künstlerische Freiheit reichen darf, wenn sie auf den Schutz Minderjähriger trifft.