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120 Jahre der Kollusion: Polizei und Kriminalität im unheiligen Bündnis

In Nakuru ist das Bild der Polizei, die eng mit kriminellen Banden zusammenarbeitet, nicht neu. Es ist das jüngste Beispiel einer mehr als hundertjährigen Geschichte staatlich sanktionierter Gewalt, die bis in die Kolonialzeit zurückreicht. Die „Confirm“-Bande, die heute die informellen Siedlungen von Nakuru beherrscht, ist nur der jüngste Ausdruck dieses gefährlichen Zusammenspiels zwischen Polizei und kriminellen Gruppen. Ihre Wurzeln reichen tief in die Geschichte Kenias und reichen bis zu den „Home Guards“ der britischen Kolonialregierung zurück, die bereits 1905 als staatlich unterstützte Schlägertruppe agierten.

Das Erbe der Kolonialzeit

Der Ursprung dieser Kollusion geht auf die Zeit der britischen Kolonialherrschaft zurück, als die „Home Guards“ und andere loyalistische Milizen als Werkzeuge zur Kontrolle und Unterdrückung von Aufständen wie dem Mau-Mau-Aufstand eingesetzt wurden. Diese paramilitärischen Gruppen, die von der Kolonialregierung ausgebildet und mit Waffen ausgestattet wurden, agierten im Verborgenen und ermöglichten „plausible Leugnung“ von Gewalt. Historiker wie Prof. Macharia Munene betonen, dass es der Kolonialregierung vor allem darum ging, Gewalt zu legitimieren, ohne direkt dafür verantwortlich gemacht zu werden.

In den 1990er Jahren, während der turbulenten Zeiten des multipartiellen politischen Wettkampfs in Kenia, tauchten neue Gruppen wie „Jeshi la Mzee“ auf, die im Auftrag der Regierung Unruhen bei Oppositionsveranstaltungen schürten. Dieser Mechanismus, Gewalt durch Dritte auszuführen, setzte sich auch in der Ära nach der Unabhängigkeit fort und hat bis heute Bestand. In Nakuru beobachten die Bewohner eine besorgniserregende Entwicklung: Die „Confirm“-Bande, die einst als Betrugsring begann, ist mittlerweile zu einer brutalen Miliz geworden, die ihre Dienste für Erpressungsaktivitäten und Waffengewalt anbietet.

Die moderne Mutation der „Confirm“-Bande

„Wir sehen, wie sie mit den Beamten trinken, die sie eigentlich festnehmen sollten“, erzählt ein Gemeindeleiter aus Nakuru West. Der Verfall der Rechtsstaatlichkeit in dieser Region hat eine gefährliche Symbiose zwischen Polizei und Gangstern begünstigt. Während Wahlen anstehen, sind es oft Gangmitglieder, die die Wahllokale überwachen und die Bevölkerung einschüchtern. Dieses System, das Kriminalität und Polizei miteinander verwoben hat, wird von vielen als unaufhaltsam wahrgenommen, solange der Staat weiterhin seine Gewaltmonopol an kriminelle Akteure delegiert.

Die aktuelle Situation in Nakuru spiegelt eine Tradition wider, die 120 Jahre alt ist. In der jüngeren Vergangenheit, etwa im Jahr 2026, tauchten neue Zellen innerhalb der „Confirm“-Bande auf, darunter „Uvumbo“ und „Kosovo“. Diese Zellen übernehmen immer mehr Aufgaben, die in der Vergangenheit von „offiziellen“ Banden übernommen wurden, und haben dabei nie die Aufmerksamkeit oder Intervention der Polizei auf sich gezogen. Laut Berichten aus der Region unterhält die Polizei in Nakuru enge Verbindungen zu den Anführern dieser Gangs, wodurch die Vorstellung einer funktionierenden Strafverfolgung zunehmend zur Farce wird.

Solange diese Symbiose weiter besteht und der Staat seine Verantwortung für Sicherheit und Ordnung weiter in die Hände von Kriminellen legt, wird Kenia mit einer nie endenden Spirale von Gewalt und Misstrauen konfrontiert bleiben. Die Forderung nach einer Auflösung dieses fragwürdigen Bündnisses und einer echten Reform des Sicherheitssektors ist nach wie vor unerfüllt, und die Strukturen, die es gedeihen lassen, sind tief verwurzelt.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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