US-Investor gesteht: „Europäischer Fußball ist um einiges intensiver“
Der amerikanische Sportmanager Paraag Marathe hat die enormen Unterschiede zwischen europäischen Fußballclubs und US-Sportfranchises hervorgehoben. Marathe, Vizepräsident der San Francisco 49ers, ist als Vice-Chairman bei den Glasgow Rangers sowie als Chairman von Leeds United tätig und spricht von einer „nächsten Stufe der Intensität“.
Der Einstieg der 49ers Enterprises bei den Rangers im Sommer verlief holprig. Fehlbesetzungen wie die des Trainers Russell Martin und des Sportdirektors Kevin Thelwell führten zu einem frühen Umbruch. Seit dem Abgang dieser Führungspersönlichkeiten und der Übernahme durch Trainer Danny Rohl habe sich das Blatt jedoch gewendet, und die Rangers seien wieder im Titelrennen.
Die existenzielle „Jeopardy“
Im Gespräch mit dem „Men In Blazers“-Podcast erklärte Marathe den fundamentalen Unterschied: die ständige Gefahr von Abstieg und die emotionale Verbindung der Fans. „Ich habe nicht vollends verstanden, wie die mit Auf- und Abstieg verbundene ‚Jeopardy‘ die Stresslevel verändert“, gestand er. „Im amerikanischen Sport hat man es leicht. Das schlechteste Team der NFL bekommt den ersten Draft-Pick, man kann also nach vorne fallen. In Europa funktioniert das nicht so, und das bringt mein Stresslevel auf eine ganz neue Ebene.“
Diese permanente Existenzangst schaffe eine andere Dynamik und führe zu einer leidenschaftlicheren Fan-Kultur. „Es ist im Grunde der Club der Unterstützer – sie besitzen den Club wirklich“, sagte Marathe. Als Chairman von Leeds oder Vice-Chairman der Glasgow Rangers sehe er sich nur als Verwalter, der sein Bestes für die eigentlichen Eigentümer, die Fans, gebe. Diese emotionale Besitzergreifung beschrieb er als „Kulturschock“.
Marathes erste Lektion war Demut: „Meine erste Regel war, demütig genug zu sein, um zu wissen, dass ich nicht weiß, was ich nicht weiß.“ Seine anfangs „dummen Fragen“ seien der Schlüssel zum Lernen gewesen. Die turbulenten Anfänge bei den Rangers mit den entlassenen Managern Martin, Thelwell und CEO Patrick Stewart unterstreichen die steile Lernkurve.
Die Beteiligung der 49ers-Investmentabteilung am europäischen Fußball bleibt ein Experiment unter Hochdruck. Während US-Sportteams durch Draft-Systeme abgesichert sind, kämpfen Clubs wie Rangers oder Leeds um jeden Tabellenplatz – ein Unterschied, der für Investoren aus Übersee eine völlig neue Welt bedeutet.