UK prüft australische Social-Media-Beschränkungen für unter 16-Jährige
Die britische Regierung erwägt die Einführung von Maßnahmen im Stil Australiens, um die Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche unter 16 Jahren einzuschränken. Dies umfasst unter anderem eine Erhöhung des digitalen Mindestalters für die Nutzung sozialer Netzwerke sowie das Eindämmen von potenziell süchtig machenden Funktionen wie „Streaks“ und „unendlichem Scrollen“.
Geplante Gesetzesänderungen und internationale Vorbilder
Ministerien des Vereinigten Königreichs haben angekündigt, eine umfassende Konsultation zu diesem Thema durchzuführen, die auch eine mögliche Anhebung des Mindestalters für den Zugang zu sozialen Netzwerken beinhaltet. Eine erste Abstimmung im Oberhaus des Parlaments über eine Änderung des „Children’s Wellbeing and Schools Bill“ steht an, die es sozialen Medienunternehmen vorschreibt, innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes den Zugang für unter 16-Jährige zu blockieren.
Das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie (DSIT) hat ebenfalls bestätigt, dass es konkrete Maßnahmen ergreifen werde, um die Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche zu kontrollieren. Zu diesen Maßnahmen gehört unter anderem, dass die Ofsted-Schulinspektionen die Mobiltelefonrichtlinien von Schulen genauer unter die Lupe nehmen. Darüber hinaus soll es Empfehlungen zur Bildschirmzeit für Eltern von Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren geben. Erste Leitlinien für Eltern von Kleinkindern unter fünf Jahren werden im April veröffentlicht.
Ministerien haben außerdem angekündigt, nach Australien zu reisen, wo im Dezember ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige eingeführt wurde. Diese Reise dient dazu, von den australischen Erfahrungen zu lernen und Feedback von Eltern und Jugendlichen zu sammeln, bevor ein formelles Ergebnis der Konsultation im Sommer dieses Jahres erwartet wird.
Politische Reaktionen und öffentliche Unterstützung
Die geplante Gesetzesänderung hat bereits zahlreiche Unterstützer gefunden, darunter die National Education Union (NEU) und 61 Abgeordnete der Labour Party, die in einem offenen Brief an den Premierminister dringende Maßnahmen fordern. Ein ehemaliger Minister für Schulen, Lord Nash, kritisierte die Konsultation jedoch als Verzögerungstaktik und forderte die sofortige Umsetzung eines Gesetzes, das das Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien anhebt.
Die Technologie- und Bildungsministerin Kemi Badenoch erklärte, dass die konservative Partei im Falle eines Wahlsieges ein vollständiges Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige durchsetzen werde. In einer emotionalen Stellungnahme unterstützte auch Esther Ghey, deren Tochter 2023 tragisch ums Leben kam, das geplante Verbot und bezeichnete es als „vitalen Schritt zum Schutz von Kindern im Internet“.
Unterdessen warnt die Liberale Demokratische Partei, dass diese Konsultation möglicherweise „die Zeit verschwendet“ und fordert ein entschlosseneres Vorgehen zum Schutz von Kindern vor den „toxischen Algorithmen“ und schädlichen Inhalten sozialer Medien.
Die Diskussionen über die Nutzung von sozialen Medien und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind intensiver denn je, und es bleibt abzuwarten, welche konkreten Maßnahmen das Vereinigte Königreich auf Grundlage der Konsultation einführen wird.