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Sepp Lenz wird 85 – der “Übervater” des Rodelsports

Ohne ihn gäbe es die Rodelbahn am Königssee nicht. Ohne ihn hötte es vielleicht nie Ausnahmerodler wie Georg Hackl gegeben. Der ehemalige Rodel-Bundestrainer Josef “Sepp” Lenz feiert seinen 85. Geburtstag.

“Er war der große Übervater für mich. Er ist ein Lehrmeister”, sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl einmal über Sepp Lenz. Der am 8. Februar 1935 in Königssee geborene Lenz war von 1973 bis 1995 deutscher Rodel-Bundestrainer. Unter seiner Regie gewannen Deutschlands Rodlerinnen und Rodler 96 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.

“Goldschmied vom Königssee” – dieser Ehrentitel wurde Lenz von den Medien verliehen. Sein Vorzeigefahrer in der Bundestrainer-Ära: Georg “Schorsch” Hackl. “Ja, er war mein Aushängeschild als Bundestrainer. Das ist schon eine besondere Beziehung”, sagte Lenz einmal über Hackl. Ein anderer prominenter Schützling: Josef Fendt, zweimaliger Weltmeister und seit 1994 Präsident des Internationalen Rodelverbands FIL.

Der “Vater der Kunsteisbahn” am Königssee

Auch dass die deutschen Rodler überhaupt in die Weltspitze – dank perfekter Trainingsbedingungen – vorgedrungen sind, haben sie Lenz zu verdanken. Er gilt als “Vater der Kunsteisbahn” am Königssee. Schon in den 50er-Jahren hatte Lenz die Vision einer Kunstbahn in seiner Heimat. “Ich habe ja täglich gesehen, dass dort, wo die erste Kunsteisbahn der Welt heute platziert ist, sehr lange Schatten liegen und damit eine günstige Stelle für eine Kunstbahn besteht”, sagte Lenz in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstags vor fünf Jahren.

Die erste Kunsteisbahn der Welt

Gesagt, getan: Gemeinsam mit Vater Lorenz senior und Bruder Lorenz stieß er 1959 die Bauarbeiten mit dem WSV Königssee an. Schon im Januar 1960 fanden mit den Internationalen Süddeutschen Rennrodelmeisterschaften die ersten Wettkämpfe statt. Seit 1962 können auch Bob-Wettbewerbe ausgetragen werden. Der Höhepunkt 1968: Die Bahn wurde auf Kunsteis umgebaut und ist damit die erste Kunsteisbahn der Welt.

Schwerer Unfall 1993

Lenz, der nach einem schweren Sturz bei den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck seine aktive Karriere beenden musste, zieht es bis ins hohe Alter immer noch regelmäßig an “seine” Bahn.

Selbst nach einem seiner schwersten Schicksalsschläge: Bei einem Unfall in Winterberg im Dezember 1993 wurde er von einer Rodlerin beim Säubern der Bahn erfasst, sein linker Unterschenkel musste amputiert werden. Nur vier Wochen später betreute er das deutsche Team schon wieder bei Europameisterschaften – mit Krücken und Prothese, daheim am Königssee.

“Ich stand in der Bahn. Wir haben die Kurvenausfahrt ausgebaut. Und dann kam die Rodlerin ein bisschen schneller als die Lautsprecherdurchsage … Ab und zu denkt man da noch dran. Aber das ist für mich heute kein Problem. Das ist halt ein Schicksal.” Lenz über den Unfall 1993

Lenz: Erst zur Arbeit, dann auf die Bahn

Dem Rodelsport ist Lenz bis heute als Beobachter, aber auch als Berater, erhalten geblieben. “Es ist schon gewaltig, wie sich der Sport verändert hat. Wer hätte gedacht, dass Rodeln ein Profisport wird. Früher haben wir gearbeitet und samstags und sonntags ging’s auf die Bahn”, sagt der Einer-Europameister von 1962 über die Entwicklung seines Sports.

“Ein jüngerer Sportler hätte mit einer Bahn von früher mit den schwierigen und engen Kurven größere Probleme. Der Wandel ist enorm. Früher hatten wir Schlitten mit Lenkriemen und heute braucht man auch nicht mehr bremsen.” Lenz über die Entwicklung im Rodeln

Seinen Geburtstag feiert Lenz im kleinen Kreis. “Es wird eine Familienfeier, keine Großveranstaltung. Die Rodler sind ja eh beschäftigt”, sagt Lenz. Die deutschen Rodler stecken mitten in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im russischen Sotschi. Indirekt ist Lenz ja ohnehin dabei: Sein einstiger Schützling Georg Hackl arbeitet als Techniktrainer für den Verband.