Schottischer Labour-Chef fordert Starmer zum Rücktritt auf
Der schottische Labour-Vorsitzende Anas Sarwar hat den britischen Premierminister Keir Starmer öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Die dramatische Aufforderung wird als schwerer Bruch in der Beziehung der einstigen Verbündeten gewertet.
Sarwar kündigte an, seinen Aufruf heute Nachmittag um 14.30 Uhr in einer Rede in Glasgow zu machen. Dies erhöht den Druck auf den bereits angeschlagenen Premierminister erheblich, nachdem am Sonntag bereits der plötzliche Rücktritt von Morgan McSweeney, einem engen Mitarbeiter, bekannt wurde.
Hintergrund: Druck vor schottischer Wahl
Der Schritt kommt vor der im Mai anstehenden Wahl zum schottischen Parlament in Holyrood. Laut dem Bericht sehen führende schottische Labour-Politiker mit Entsetzen Starmers wachsende Unbeliebtheit und hatten Sarwar gedrängt, sich vom Premierminister zu distanzieren.
Ursprünglich galt Sarwar als künftiger First Minister, nachdem es ihm gelungen war, den Umfragevorsprung der SNP stetig abzubauen. Doch nach Labour’s holpriger Rückkehr an die Macht in London und Starmers desaströser Zeit in der Downing Street ist Scottish Labour in Umfragen für Holyrood mittlerweile auf den dritten Platz hinter der aufstrebenden Reform UK abgerutscht.
Ein weiterer Auslöser der aktuellen Krise ist die wütende Reaktion auf Starmers Ernennung von Peter Mandelson zum Botschafter in den USA. Kritik entzündet sich daran, dass Starmer gewusst haben soll, dass Mandelsons Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch nach dessen Verurteilung weiterbestanden.
Die 37 schottischen Labour-Abgeordneten im Westminster-Parlament stehen nun vor der schwierigen Entscheidung, ob sie Sarwar unterstützen oder Sir Keir die Treue halten sollen.
Starmer wehrt sich entschieden
Ein offizieller Sprecher des Premierministers wies Rücktrittsgerüchte entschieden zurück. Auf die Frage, ob Sir Keir heute zurücktreten werde, sagte er schlicht: „Nein.“ Er fügte hinzu, der Premierminister konzentriere sich auf seine Aufgaben und sei zuversichtlich, die einstimmige Unterstützung des Kabinetts zu haben.
In einer Ansprache an die Mitarbeiter in der Downing Street am Montagmorgen betonte Starmer, man müsse „von hier aus weitermachen“ und beweisen, dass Politik eine „Kraft für das Gute“ sein könne. In dieser Rede würdigte er McSweeney noch als „Kollegen und Freund“.
Die SNP nutzte die Gelegenheit für scharfe Kritik an Sarwar. Stephen Flynn, der SNP-Führer in Westminster, warf Sarwar vor, bis vor kurzem noch Starmers „größter Cheerleader“ gewesen zu sein und nun aus purem Selbsterhaltungstrieb zu handeln. „Das wird der schottischen Wählerschaft im Mai nicht entgehen“, so Flynn.
Die Entwicklung markiert einen tiefen Einschnitt in die Beziehung zwischen Sarwar und Starmer, die im Vorfeld der Unterhauswahl 2024, die Labour zurück an die Regierung brachte, noch Seite an Seite Wahlkampf gemacht hatten.