Schottischer Labour-Chef fordert Starmer-Rücktritt und warnt vor SNP-Dekade
Der schottische Labour-Parteichef Anas Sarwar hat Premierminister Keir Starmer öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Auf einer Pressekonferenz in Glasgow erklärte Sarwar, die „Ablenkung“ in der Downing Street müsse ein Ende haben. Seine erste Priorität gelte Schottland, das er nicht einem dritten Jahrzehnt unter einer SNP-Regierung „opfern“ wolle.
Hintergrund der beispiellosen Forderung sind katastrophale Umfragewerte. Labour liegt in Schottland aktuell sowohl hinter den Nationalisten als auch hinter Reform UK. Sarwar machte Starmers extreme Unbeliebtheit für das schlechte Abschneiden verantwortlich.
Mandelson-Affäre erschüttert Regierung
Der Druck auf Starmer wächst auch durch eine schwere innenpolitische Krise. Er kämpft um sein politisches Überleben, nachdem bekannt wurde, dass er Peter Mandelson zum Botschafter ernannte, obwohl er von Mandelsons anhaltender Freundschaft zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wusste. Akten enthüllten grauenvolle Details dieser Verbindung.
Die Affäre kostete bereits Morgan McSweeney das Amt als Starmers Stabschef, der am Sonntag zurücktrat. Der Labour-Abgeordnete Brian Leishman verglich den Premierminister mit einem boxer auf den letzten Beinen und forderte ihn auf, sich die Frage nach einem Rücktritt selbst zu stellen.
Expert warnt vor „hyperparteiischem“ Holyrood
Parallel zur Regierungskrise in Westminster sieht sich auch das schottische Parlament in Holyrood harscher Kritik ausgesetzt. Professor James Mitchell, ein führender Experte für Devolutionsfragen, warnte, das Parlament sei „rückwärts gegangen“.
Er kritisierte „hyperparteiische“ Abgeordnete, die zu viel Zeit damit verbrächten, Parteiführern nach dem Mund zu reden. Die Öffentlichkeit riskiere, das Vertrauen in Holyrood zu verlieren, wenn nicht mehr Parlamentarier bereit seien, für sich selbst einzustehen. Besonders kritisierte der Akademiker der Universität Edinburgh SNP-Hinterbänkler, die die Regierung von John Swinney „weit über das erwartbare Maß hinaus“ verteidigten.
Die Forderung Sarwars markiert einen dramatischen Höhepunkt der Spannungen innerhalb von Labour. Sie zeigt die tiefe Sorge der schottischen Partei, dass die Unpopularität des Premierministers in Westminster ihren Kampf um die Wählergunst in Schottland unwiderruflich beschädigen könnte.