Rowling von New Statesman zur einflussreichsten Britin des Jahrhunderts gekürt
Die Autorin J.K. Rowling wurde vom „New Statesman“ an die Spitze einer Liste der 25 Briten gesetzt, die das Land im 21. Jahrhundert bis heute am stärksten geprägt haben. Das linksgerichtete politische Magazin begründete die Entscheidung mit ihrem enormen kulturellen und, entscheidender, ihrem politischen Einfluss.
Philanthropie und politische Spenden
Ihr Vermögen, gespeist aus den fortlaufenden Tantiemen der Harry-Potter-Reihe und anderen Projekten, macht Rowling zu einer der größten Philanthropinnen des Landes. Forbes schätzt ihre Spenden für wohltätige Zwecke in den letzten 20 Jahren auf über 250 Millionen Dollar. Zugleich nutzt sie ihre finanzielle Kraft für politisches Engagement in Schottland, ihrem seit langem gewählten Zuhause.
Bereits 2008 spendete sie eine Million Pfund an die Labour-Partei unter Gordon Brown, den sie für seinen Kampf gegen Kinderarmut lobte. Ihr bislang prominentester politischer Einsatz galt jedoch der Kampagne „Better Together“ gegen die schottische Unabhängigkeit. 2014 unterstützte sie das Pro-Union-Lager nicht nur öffentlich auf Twitter, sondern auch mit einer weiteren Millionenspende.
In einem ausführlichen Essay erklärte sie damals ihre Sorge vor den wirtschaftlichen Risiken einer Abspaltung. 55 Prozent der Wähler stimmten schließlich für den Verbleib im Vereinigten Königreich.
Kontroverse um Transgender-Rechte prägt heutiges Bild
Die Debatte um die schottische Unabhängigkeit wird heute jedoch von der Kontroverse um Rowlings Haltung zu Transgender-Rechten überschattet. Seit einem Essay von 2020, in dem sie die Bedeutung des biologischen Geschlechts betonte, gilt sie als Galionsfigur der „gender-kritischen“ Bewegung. Das „New Statesman“ stellt fest, sie habe damit ihren Status als universell verehrte Potter-Erfinderin verloren und sei zu einer polarisierenden Figur in den „Geschlechterkriegen“ geworden.
Mit ihrem Privatvermögen gründete sie vergangenes Jahr den „J.K. Rowling Women’s Fund“, der rechtliche Unterstützung für den Erhalt „geschlechtsbasierter Rechte von Frauen“ anbietet. Sie kündigte an, den Fonds privat zu finanzieren und rief stattdessen zu Spenden an andere Frauenrechtsorganisationen auf.
Das Magazin zieht das Fazit, dass die gesellschaftliche Landschaft sich ungeachtet der persönlichen Perspektive auf Rowling verschoben habe: Die Transgender-Bewegung, die Ende der 2010er Jahre an Boden gewann, sei im Vereinigten Königreich ins Stocken geraten, die Unterstützung in der Bevölkerung schwinde. Rowling, die im vergangenen Jahr allein 47,5 Millionen Pfund Steuern im UK zahlte, bleibt damit eine der finanziell wie meinungsstärksten politischen Stimmen des Landes.