Raducanu und Boulter schreiben britischen Tennis-Geschichte mit parallelen Finaleinzügen
Ein historischer Samstag steht dem britischen Damentennis bevor. Erstmals werden zwei britische Spielerinnen an einem Tag in zwei verschiedenen WTA-Turnierendspielen stehen. Diesen doppelten Erfolg sicherten sich Emma Raducanu und Katie Boulter am Freitag mit ihren jeweiligen Halbfinalsiegen.
Ein emotionaler und körperlicher Dreisatz-Kampf
Emma Raducanu, die topgesetzte Britin, erkämpfte sich ihren Finalplatz beim Transylvania Open in Cluj nur unter größter Anstrengung. Sie besiegte die ukrainische Qualifikantin Oleksandra Oliynykova nach fast drei Stunden mit 7:5, 3:6, 6:3. Die Partie entwickelte sich zu einem zermürbenden Duell, in dem Oliynykova, deren auffällige Gesichtstattoos sie begleiteten, mit unkonventionellen Mitteln wie ständigen Lob-Bällen (Moonballs) und Slice-Schlägen versuchte, Raducanus Rhythmus zu stören.
Raducanu zeigte sich nach dem Match emotional und körperlich erschöpft. „Ich bin einfach am stolzesten darauf, wie ich gekämpft habe, wie ich im dritten Satz zurückgekommen bin, wie ich das Match gemanagt habe“, sagte die 21-Jährige in ihrem On-Court-Interview. Sie lobte auch ihre hartnäckige Gegnerin, die Weltranglisten-91., die jeden Ball zurückbrachte.
Nachdem sie den ersten Satz knapp gewonnen hatte, schien Raducanu mit einem frühen Break im zweiten Satz und einem 3:1-Führung auf der Siegerstraße. Doch Oliynykova drehte das Set mit fünf Spielen in Folge. Im Entscheidungssatz fand Raducanu jedoch noch einmal ihre beste Form, gewann 16 Punkte in Folge und setzte sich trotz dreier vergebener Matchbälle schließlich durch.
Boulter dominiert und zeigt Nervenstärke
Parallel dazu sorgte Katie Boulter, die britische Nummer vier, für das zweite Finalticket. Bei den Ostrava Open besiegte sie die Amerikanerin Katie Volynets (WTA 96) klar mit 6:1, 6:3. Boulter, die im achten Spiel des zweiten Satzes noch einen 0:40-Rückstand auf ihrem Aufschlag ausgleichen musste, zeigte starke Nerven und schloss den Match zum Einzug in ihr fünftes Karriere-WTA-Final ab.
Der gemeinsame Erfolg markiert einen bemerkenswerten Tag für das britische Tennis. Während Boulter in Ostrava antritt, wird Raducanu in Cluj um ihren ersten WTA-Titel seit ihrem spektakulären US-Open-Sieg 2021 spielen. Ihre Finalgegnerin dort ist die Rumänin Sorana Cirstea.
Für Raducanu bleibt die Frage, wie sie sich nach der extrem fordernden Dreisatz-Partie gegen Oliynykova körperlich und mental für das Endspiel erholen kann. Sie selbst gab an, den Support des Publikums gebraucht zu haben. Ihr Ziel, sich nachhaltig als Kraft auf der Tour zu etablieren, rückt nun mit der Chance auf den Turniersieg in Transsilvanien ein Stück näher.