Raducanu kehrt nach 1610 Tagen in ein WTA-Finale zurück
In einem nervenaufreibenden Dreisatzmatch hat Emma Raducanu erstmals seit ihrem US-Open-Sieg 2021 wieder ein Finale auf der WTA-Tour erreicht. Die Britin setzte sich am 6. Februar 2026 im Halbfinale des Transylvania Open in Cluj-Napoca mit 7:5, 3:6, 6:3 gegen die Ukrainerin Oleksandra Oliynykova durch. Der Kampf dauerte über zweieinhalb Stunden.
Ein Sieg geprägt von Nervenstärke
Die entscheidende Phase kam im dritten Satz, als Oliynykova, die zuvor fünf Spiele in Serie gewonnen hatte, einen Break führte. Raducanu kämpfte sich zurück, brach beim vierten Versuch zum 4:2 und musste den Matchgewinn anschließend unter enormem Druck verteidigen. Die Ukrainerin rettete drei Matchbälle und schaffte zweit Break-Chancen, doch Raducanus Nerven hielten stand. Nach dem letzten Ballpunkt sank sie erleichtert auf die Knie.
Die Matchstatistik spiegelt die Enge wider: Raducanu erzielte 26 Gewinnschläge bei 44 unforced errors, Oliynykova kam auf 37 Gewinnschläge bei 61 Eigenfehlern. Entscheidend war letztlich die Erstaufschlagquote der Britin von 74 Prozent und die Tatsache, dass sie sechs ihrer vierzehn Breakchancen nutzte. Sie gewann insgesamt 106 Punkte, ihre Gegnerin 94.
Ein besonderes menschliches Detail blieb dem Publikum nicht verborgen: In kritischen Momenten feuerten sich Raducanu mit dem Balkan-Schlachtruf „Hajde!“ an. „Wenn die ‚Hajdes‘ rauskommen, bedeutet das, dass ich richtig kämpferisch werde“, erklärte sie nach dem Match diese Angewohnheit aus ihrer Juniorzeit.
Hintergründe und Perspektiven
Der Weg ins Halbfinale war für beide Spielerinnen außergewöhnlich. Raducanu hatte zuvor ohne Satzverlust gegen Greet Minnen, Kaja Juvan und Maja Chwalinska gewonnen. Oliynykova (WTA-91.) hingegen sorgte für Aufsehen, indem sie die Nummer 33 der Welt, Xinyu Wang, und andere gesetzte Spielerinnen wie Anna Bondar ausschaltete. Ihre Anreise war ein Abenteuer: Ein Stromausfall in ihrem Wohnhaus in Kiew beinahe verhinderte die Teilnahme, sie erreichte Cluj-Napoca laut Kommentator Ravi Ubha mit nur zehn Minuten Puffer vor ihrem ersten Match.
Für Raducanu ist der Finaleinzug ein bedeutender Meilenstein nach 1.610 Tagen ohne Finalteilnahme und einer von Verletzungen geprägten Zeit. Bemerkenswert ist, dass sie das Turnier ohne festen Coach bestreitet, nachdem sie sich vor einem halben Jahr von Francisco Roig, ihrem zehnten Trainer in ebenso vielen Jahren, getrennt hatte.
In ihrer Dankesrede an das enthusiastische rumänische Publikum würdigte sie die starke Leistung der Gegnerin: „Alle Anerkennung an meine Gegnerin heute, sie hat unglaublich gespielt. Man denkt, der Ball ist an ihr vorbei, und plötzlich ist er wieder auf der Grundlinie. Ich bin am stolzesten darauf, wie ich gekämpft, wie ich mich im dritten Satz zurückgekämpft und das Match gemanagt habe.“
Oliynykova steigt durch ihren Halbfinaleinzug in der Live-Weltrangliste voraussichtlich um 20 Plätze und könnte erstmals in die Top 75 einziehen. Für Raducanu geht es nun um den Titel. Im Endspiel am 7. Februar trifft sie auf die Rumänin Sorana Cirstea (Platz 3 der Setzliste) oder die ukrainische Qualifikantin Daria Snigur. Die Chance, den ersten WTA-Titel seit dem US-Open-Sensation 2021 zu gewinnen, ist zum Greifen nah.