Twittersmash

Nachrichten aus Idstein, Hessen & Deutschland

Twittersmash

Nachrichten aus Idstein, Hessen & Deutschland

Sport

Olympiasiegerin startet mit 12 Dollar pro Stunde in den zweiten Karriereabschnitt

Die US-amerikanische Doppel-Olympionikin Lauryn Williams hat in einem Interview mit CNBC Make It eindringlich vor den finanziellen Risiken einer Sportkarriere gewarnt. Die erste Amerikanerin, die bei Sommer- und Winterspielen Medaillen gewann, musste nach ihrer aktiven Laufbahn als Praktikantin für 12 Dollar die Stunde neu anfangen.

Vom Podest ins Praktikum

Mit 20 Jahren verdiente Williams durch Sponsorenverträge 200.000 Dollar im Jahr. Doch Agentenprovisionen von 20 Prozent und Steuern schmälerten das Nettoeinkommen erheblich. „Das Geld reicht bei weitem nicht so weit, wie die Leute denken“, zitiert CNBC Make It die Athletin. Diese Erfahrung trieb sie später an, sich zur Certified Financial Planner (CFP) ausbilden zu lassen – eine Prüfung, die sie erst beim dritten Anlauf im Jahr 2017 bestand.

Trotz ihrer historischen Erfolge – Gold 2012 in der 4×100-m-Staffel in London und Silber 2014 im Bob in Sotschi – folgte auf das Karriereende ein finanzieller Bruch. Im Alter von 30 Jahren begann sie ein Praktikum bei Briaud Financial Advisors. „Ich hatte das Nachsehen, weil ich mit 30 gerade erst anfing, während meine Freunde schon Ärzte und Anwälte und mitten in ihrer Karriere waren“, beschrieb Williams das Gefühl des Rückstands.

Ihr Übergang in die Berufswelt gestaltete sich schwierig. Erst nach mehreren Absagen und dem bewussten Einsatz ihrer olympischen Biografie auf dem Lebenslauf erhielt sie eine Stelle. Die öffentliche Wahrnehmung von olympischem Wohlstand entsprach nie ihrer Realität. Im Jahr, in dem sie den Doppel-Medaillenrekord aufstellte, verdiente sie lediglich 80.000 Dollar. „Die Medienberichterstattung kam, aber die Sponsoren nicht“, so Williams. Gelegentliche Einnahmen aus ihrem Ruhm reichten nicht zum Leben.

Finanzplanung als Mission für andere Athleten

Williams betont, dass ihre Situation typisch sei für die meisten Olympioniken, insbesondere in weniger populären Sportarten. Während ein paar Top-Stars von Preisgeldern und Werbeverträgen komfortabel leben könnten, müsse die große Mehrheit nach der Sportkarriere weiterarbeiten. Viele Goldmedaillengewinner verdienten nach Abzug aller Kosten weniger als 100.000 Dollar jährlich.

Aus Frust über eigene schlechte Erfahrungen mit Finanzberatern gründete sie schließlich die Firma Worth Winning. Ihr Ziel ist es, junge Berufstätige, insbesondere Sportler, bei der Vermögensplanung zu unterstützen. Als Botschafterin des CFP Boards setzt sie sich für mehr Finanzwissen unter Athleten ein.

Ihre Geschichte unterstreicht die Lücke zwischen öffentlicher Anerkennung und finanzieller Absicherung im Spitzensport. Sie verweist auf Ausnahmen wie den philippinischen Turner Carlos Yulo, der sich eine Eigentumswohnung im Wert von 555.000 Dollar leisten kann. Für die meisten sei eine berufliche Zukunft abseits des Sports jedoch eine Notwendigkeit.

Der Weg der Olympiasiegerin vom Stadion ins Büro für Finanzplanung ist ein Beispiel für Anpassungsfähigkeit. Heute hilft sie der nächsten Generation von Champions, sich nicht nur auf sportliche, sondern auch auf finanzielle Hürden vorzubereiten.

Avatar-Foto

Christoph Alexander Breyer

Christoph Alexander Breuer ist Redakteur und Analyst mit Schwerpunkt auf Sport und Finanzmärkte. Er berichtet über wirtschaftliche Hintergründe im Profisport, Unternehmensentwicklungen und Markttrends und ordnet komplexe Zusammenhänge verständlich für die Leser ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert