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Sport

Neutrale Antreten: Russische und belarussische Athleten bei Olympia 2026

Die Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina sind eröffnet, doch im Fokus steht eine besondere Gruppe: 13 russische und 7 belarussische Sportler treten nicht für ihre Nationen an. Sie starten unter der Bezeichnung AIN – „Individual Neutral Athletes“. Diese strengen Auflagen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sind die direkte Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Unterstützung durch Belarus.

Strenge Auflagen und ein schmaler Grat

Die Regeln für die neutralen Athleten sind härter als je zuvor. Sie dürfen weder unter Flagge noch mit Hymne ihrer Heimatländer antreten. Selbst die olympische Flagge und Hymne sind ihnen verwehrt. Für Goldmedaillen wird ein wortloses, vom IOC in Auftrag gegebenes Instrumentalstück abgespielt. Bereits bei der Eröffnungsfeier am 6. Februar waren sie ausgeschlossen. Jeder Athlet musste eine Teilnahmevereinbarung unterzeichnen, in der er die Friedensmission der olympischen Bewegung und die Olympische Charta anerkennt.

Die Auswahl war ein langwieriger Prozess. Ein vom IOC eingesetztes Gremium prüfte Social-Media-Aktivitäten und mögliche Verbindungen zum Militär. Dennoch sorgte eine BBC-Recherche für Kontroversen, die bei vier zugelassenen Russen mögliche Verstöße gegen die IOC-Bedingungen aufzeigte. Kritiker bemängeln inkonsistente Durchsetzung.

Zu den 20 Athleten gehören die russische Eiskunstläuferin Adeliia Petrosian und ihr Teamkollege Petr Gumennik, sowie die belarussische Freestyle-Skierin Hanna Huskova. Ihre Zulassung wurde zunächst von den jeweiligen Weltverbänden wie dem Eislaufverband ISU oder dem Ski-Verband FIS geprüft, bevor das IOC das letzte Wort hatte.

Rechtliche Auseinandersetzungen und historischer Kontext

Die Teilnahmeliste wurde auch vor Gericht ausgefochten. Der Internationale Ski-Verband (FIS) und der Rennrodel-Verband (FIL) hatten seit Februar 2022 alle russischen und belarussischen Athleten gesperrt. Russland zog vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), der diese Pauschalverbote im Dezember 2025 kippte. So konnten einige Rodler und Skier nach Mailand reisen – allerdings ausschließlich für Einzelwettbewerbe. Mannschaftssportarten wie Eishockey oder Curling bleiben für sie tabu.

Es ist nicht das erste Mal, dass russische Athleten unter neutraler Flagge antreten. Nach dem staatlich gelenkten Doping-Skandal um die Spiele in Sotschi 2014 traten sie 2018 und 2022 als „Olympic Athletes from Russia“ bzw. unter der Bezeichnung des Russischen Olympischen Komitees (ROC) an. In Peking 2022 gewann das ROC-Team 32 Medaillen. Der aktuelle Ausschluss hat jedoch eine andere Ursache: Das IOC verwies im Oktober 2023 auf die Annexion ukrainischer Sportverbände durch das ROC und den Bruch der olympischen Charta.

Die Debatte über die Zukunft ist im Gange. FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach sich für eine Lockerung „zumindest auf Jugendebene“ aus, um Ressentiments vorzubeugen. Der ukrainische Sportminister Matvii Bidnyi lehnt dies angesichts der anhaltenden Gewalt strikt ab. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry bekräftigte den bisherigen Kurs. Der Status der neutralen Athleten bleibe unverändert.

Ihre Medaillen, falls sie welche gewinnen, werden in Stille überreicht. Bei den Sommerspielen 2024 in Paris holten AIN-Athleten immerhin ein Gold, drei Silber und ein Bronze. Ob in Mailand ein neutraler Athlet auf das Podest steigt, bleibt abzuwarten. Ihr Auftritt ist ein deutliches Symbol dafür, wie sehr sich Sport und Politik in Zeiten globaler Konflikte unweigerlich überschneiden.

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Christoph Alexander Breyer

Christoph Alexander Breuer ist Redakteur und Analyst mit Schwerpunkt auf Sport und Finanzmärkte. Er berichtet über wirtschaftliche Hintergründe im Profisport, Unternehmensentwicklungen und Markttrends und ordnet komplexe Zusammenhänge verständlich für die Leser ein.

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