Metropolitan Police untersucht Mandelson nach Anzeige durch SNP-Chef
Eskalation nach Veröffentlichung neuer Epstein-Dokumente
Der ehemalige britische Minister und Labour-Politiker Peter Mandelson ist nun offiziell Gegenstand einer polizeilichen Untersuchung. Stephen Flynn, der Fraktionsvorsitzende der SNP im Unterhaus, hat bei der Londoner Metropolitan Police eine formelle Beschwerde eingereicht. Er fordert die Behörden auf zu prüfen, ob Mandelson während seiner Zeit als Minister strafbare Handlungen begangen hat.
Die Anzeige folgt der jüngsten Veröffentlichung einer Reihe von E-Mail-Kommunikationen des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium. In diesen Schriftstücken aus den Jahren 2009 und 2010 zeigt sich Mandelson, damals Wirtschaftsminister, in engem Austausch mit Epstein. So bot er an, in einer Steuerfrage zu Bankerboni für Epstein zu lobbyieren und gab interne Regierungsinformationen preis, etwa Details zu einem Euro-Rettungspaket, einen Tag vor dessen offizieller Bekanntgabe im Jahr 2010.
Flynn begründete seinen Schritt mit den „schockierenden“ Enthüllungen. „Es besteht kein Zweifel, dass Lord Mandelsons Handlungen beschämend und unethisch waren – die einzige Frage ist, in welchem Ausmaß seine Handlungen den Verhaltenskodex für Minister und das Gesetz verletzt haben“, so der SNP-Politiker.
Politisches Nachspiel und komplexe Lords-Entfernung
Parallel zur polizeilichen Prüfung hat Premierminister Keir Starmer den ranghöchsten Beamten der Regierung, Kabinettssekretär Sir Chris Wormald, mit einer dringenden Überprüfung „aller verfügbaren Informationen“ zu Mandelsons Kontakten mit Epstein beauftragt. Ein Sprecher des Premierministers nannte als Grund „die Gesamtheit der neuen Informationen am Wochenende“.
Starmer vertritt zudem die Auffassung, dass Mandelson nicht Mitglied des Oberhauses sein oder den Titel führen sollte. Allerdings, so sein Sprecher, habe der Premierminister nicht die Macht, ihn zu entfernen. Das letzte Mal, dass ein Adelstitel per Gesetz aberkannt wurde, liegt über 100 Jahre zurück und betraf Adlige, die im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite standen. Ein Präzedenzfall für die Aberkennung mittels eines Einzelgesetzes existiert nicht.
Mandelson, der derzeit eine Auszeit vom Oberhaus nimmt, könnte freiwillig zurücktreten. Ein anderer Weg wäre ein Verfahren vor dem Lords Conduct Committee. Die Regierung drängt das Oberhaus auf eine Modernisierung der Disziplinarverfahren, um die Entfernung von in Ungnade gefallenen Peers zu erleichtern.
Unterdessen hat Mandelson in der Nacht zu Montag seine Mitgliedschaft in der Labour-Partei niedergelegt. Die Partei bestätigte, dass gegen ihn bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden war.