Mandelson verlässt Labour-Partei nach neuen Enthüllungen zu Epstein-Verbindungen
Der schottische Labour-Chef Anas Sarwar hat den Austritt von Peter Mandelson aus der Partei als „richtige“ Entscheidung bezeichnet. Grund sind die jüngsten Enthüllungen über Mandelsons langjährige Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Forderung nach vollständiger Untersuchung
Sarwar äußerte sich, nachdem neu veröffentlichte Dokumente der US-Justiz Details der Beziehung ans Licht brachten. Demnach zeigte ein E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2009, dass Mandelson, damals Wirtschaftsminister, Epstein zusagte, bei Ministern gegen eine Steuer auf Bankerboni zu lobbyieren. Weitere Unterlagen belegen laut Berichten Zahlungen Epsteins an Mandelson in Höhe von insgesamt 75.000 US-Dollar (etwa 54.735 Pfund) in den Jahren 2003 und 2004. Zudem soll Epstein einen Osteopathie-Kurs für Mandelsons Ehemann bezahlt haben.
„Die Menschen werden von den Informationen in den jüngsten Epstein-Akten entsetzt sein“, sagte Sarwar. Er betonte, dass für die Opfer weiterhin große Fragen offen seien und dass alle, die in den USA zur Aussage aufgefordert werden, „absolut gehen“ sollten.
Der SNP-Führer im Westminster-Parlament, Stephen Flynn, forderte unterdessen eine „vollständige und schnelle“ Untersuchung. Diese müsse Mandelsons Kontakte zu Epstein, seinen Einfluss in der Labour-Regierung und die Frage prüfen, warum ihn drei Labour-Premierminister trotz dieser Verbindung immer wieder in hohe Ämter beriefen. Flynn wandte sich in einem Brief an den ethischen Berater des Premierministers, Sir Laurie Magnus, und forderte auch eine Prüfung, was der aktuelle Labour-Chef Sir Keir Starmer über die Vorwürfe gegen Mandelson wusste.
Zukunft im Oberhaus ungewiss
Während Sarwar den Parteiaustritt begrüßte, äußerte er sich nicht dazu, ob Mandelson seinen Sitz im House of Lords aufgeben sollte. „Ich denke, das ist nun eine Angelegenheit für das House of Lords und für die Häuser des Parlaments, zu entscheiden, wer es verdient, im Parlament zu sein oder nicht“, so Sarwar. Sein Verständnis sei, dass dies eine Gesetzgebung erfordere, nicht nur eine einfache politische Entscheidung.
Mandelson selbst hatte am Sonntag seinen Parteiaustritt erklärt, um „weitere Peinlichkeiten“ angesichts der neuen Enthüllungen zu vermeiden. Er war bereits zuvor von seiner Rolle als Handelsbotschafter in den USA enthoben worden, nachdem seine Epstein-Verbindungen bekannt geworden waren.
Flynn argumentierte, das stetige „Tröpfeln“ neuer Enthüllungen sei nicht nur ein Makel für Mandelsons Amtszeit, sondern vergrößere vor allem den Schmerz von Epsteins vielen Opfern. Die einzige Möglichkeit, dies zu stoppen, sei eine sofortige umfassende Untersuchung.