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Sport

Los Angeles 2028: Olympia-Chef unter Druck wegen Epstein-Verbindungen

Der Vorsitzende des Organisationskomitees für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles, Casey Wasserman, steht nach der Veröffentlichung alter E-Mails mit der verurteilten Kriminellen Ghislaine Maxwell massiv in der Kritik. Mehrere Stadtpolitiker fordern inzwischen seinen Rücktritt.

E-Mails zeigen vertrauliches Verhältnis zu Maxwell

Auslöser der Krise sind Millionen von Dokumenten aus der Untersuchung gegen Jeffrey Epstein, die das US-Justizministerium vergangene Woche freigegeben hat. Darunter befinden sich private Nachrichten aus dem Jahr 2003 zwischen Wasserman und Maxwell, der Mittäterin des verstorbenen Sexualstraftäters. Die Korrespondenz zeigt ein flirtendes und teils sexuell aufgeladenes Verhältnis. In einer Nachricht vom März 2003 fragte Wasserman Maxwell: „Was muss ich tun, um dich in einem engen Lederoutfit zu sehen?“ Maxwell bot ihm in einer anderen Mail eine Massage an, die „einen Mann wild machen“ könne.

Diese Kontakte fanden statt, während Wasserman verheiratet war und lange bevor Maxwell 2021 wegen Menschenhandels verurteilt wurde. Wasserman hat in einer Stellungnahme sein Bedauern über die Kommunikation ausgedrückt und betont, niemals eine persönliche oder geschäftliche Beziehung zu Jeffrey Epstein unterhalten zu haben. Er räumte ein, 2002 an einer humanitären Reise der Clinton-Stiftung teilgenommen zu haben, bei der er das Flugzeug Epsteins nutzte.

Politische Forderungen nach sofortigem Rücktritt

Die Entschuldigung hat die Welle der Empörung nicht stoppen können. Los Angeles‘ Stadtkämmerer Kenneth Mejia forderte auf sozialen Medien Wassermans Rücktritt: „Los Angeles kann unsere finanzielle Zukunft niemandem anvertrauen, der mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell verbunden ist.“ Stadträtin Monica Rodriguez äußerte sich „unglaublich enttäuscht“ und sieht das Erbe der Spiele untergraben.

Besorgt äußerte sich auch die Bezirksvorsteherin Janice Hahn. Ihr gehe es nicht um „vergangene Fehltritte“, sondern um die Botschaft an die Überlebenden von Epsteins Verbrechen. Sie befürchtet, dass Wassermans weitere Führungsrolle die Spiele in der öffentlichen Wahrnehmung dauerhaft mit einem notorischen Menschenhändler verbinden wird. Stadtrat Hugo Soto-Martinez forderte Wasserman auf, sofort zurückzutreten, um die Werte der Stadt nicht zu untergraben.

Der Druck kommt auch aus der Kulturszene. Bethany Cosentino, Sängerin der Band Best Coast, die von der Wasserman Media Group vertreten wird, forderte die Löschung ihres Namens von der Firmenwebsite und den Rücktritt Wassermans von seiner eigenen Firma. Sie schrieb auf Instagram, sie könne angesichts der Machtstrukturen, die Männer oft schützten, nicht schweigen. Andere Top-Künstler des Unternehmens wie Ed Sheeran oder Coldplay haben sich bisher nicht öffentlich geäußert.

Die wirtschaftlichen Dimensionen sind enorm: Die Spiele 2028 sollen der Region laut Schätzungen von CNN und NPR einen zusätzlichen Wirtschaftsoutput von 13,6 bis 17,6 Milliarden US-Dollar bringen und zehntausende neue Jobs schaffen. Vor diesem Hintergrund ist die Frage der Führung für die Stadt von existenzieller Bedeutung.

Wasserman hielt sich nach der Veröffentlichung bedeckt, trat aber vor den Winterspielen in Mailand bei einem Treffen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf, wo er Fortschritte beim LA28-Projekt lobte, jedoch keine Fragen von Reportern beantwortete. IOC-Chefin Kirsty Coventry verwies auf Wassermans Stellungnahme, während Gene Sykes, Chef des US-Olympischen Komitees, weiteres Vertrauen in Wassermans Führung bekundete.

Das LA28-Board, dem rund drei Dutzend prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Unterhaltung, Sport und Politik angehören, hat bisher geschwiegen. Der Fall Wasserman zeigt erneut, wie der Epstein-Skandal auch Jahre später noch Karrieren öffentlicher Figuren gefährdet. Während die Vorbereitungen für die Spiele planmäßig weiterlaufen, wird die Diskussion um die ethische Verantwortung der Führungsetage die olympische Erzählung Los Angeles‘ wohl noch lange begleiten.

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Christoph Alexander Breyer

Christoph Alexander Breuer ist Redakteur und Analyst mit Schwerpunkt auf Sport und Finanzmärkte. Er berichtet über wirtschaftliche Hintergründe im Profisport, Unternehmensentwicklungen und Markttrends und ordnet komplexe Zusammenhänge verständlich für die Leser ein.

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