Nach dem spektakulären, aber ernüchternden 3:3-Unentschieden in Bremen steht Eintracht Frankfurt vor einer heiklen Personaldebatte. Trotz des Last-Minute-Ausgleichs durch Ansgar Knauff in der Nachspielzeit gerät Trainer Dino Toppmöller (45) zunehmend unter Druck. Auslöser sind ungewöhnlich deutliche Worte von Sportvorstand Markus Krösche (45), die nach dem Abpfiff aufhorchen ließen.
Frankfurt hatte in Bremen eine 2:1-Führung binnen 128 Sekunden verspielt und erneut gravierende defensive Schwächen offenbart. Zwar rettete Knauff in der 90.+4 Minute noch einen Punkt, doch für echte Erleichterung sorgte das intern offenbar nicht. „So können wir nicht weitermachen“, sagte Krösche im Anschluss unmissverständlich. Auf die konkrete Nachfrage, ob Toppmöller bereits am Mittwoch in der Champions League gegen Qarabag Agdam noch auf der Bank sitzen werde, wich der Sportchef aus: Man werde die Situation nun besprechen, solche Leistungen dürften sich nicht wiederholen.

Zahlen, Probleme und fehlende Entwicklung
Die sportliche Bilanz untermauert die Unruhe. Frankfurt gewann nur eines der letzten neun Pflichtspiele, ein mühsames 1:0 gegen den FC Augsburg. In der Bundesliga ist die Eintracht auf Rang sieben abgerutscht, international droht in der Champions-League-Ligaphase das Aus.
Besonders alarmierend sind die Defensivdaten: 39 Gegentore nach 18 Ligaspielen bedeuten den aktuellen Höchstwert im Tabellenumfeld. Allein Torhüter Kaua Santos musste neun Gegentreffer in drei Spielen nach der Winterpause hinnehmen. Innerhalb einer englischen Woche verspielte die SGE sieben Punkte nach Führungen.
Krösche kritisierte in der Mixed Zone vor allem die Wiederholung alter Muster. Seit 17 bis 18 Spielen begleiteten das Team dieselben Themen: einfache Gegentore, Hektik im Ballbesitz und fehlende Struktur. Besonders brisant: Der Sportvorstand betonte, dass sich trotz dieser öffentlichen Analysen „nichts verändert“ habe – eine Aussage, die in Trainerfragen selten ohne Folgen bleibt.
Toppmöller selbst zeigte sich nach dem Spiel nach außen gelassen. Auf der Pressekonferenz erklärte er, nicht das Gefühl zu haben, um seinen Job bangen zu müssen. Zugleich räumte er ein, dass die Verantwortung selbstverständlich bei ihm liege. Die aktuelle Phase sei vor allem wegen der schwachen Punktausbeute unbefriedigend.
Ob das Vertrauen der Klubführung trägt, wird sich kurzfristig zeigen. Das Spiel in Aserbaidschan gegen Qarabag Agdam könnte bereits richtungsweisend sein – sportlich und personell. Selten zuvor wirkte die Zukunft des Trainers in seinen zweieinhalb Jahren in Frankfurt so offen wie nach diesem späten Punktgewinn, der sich intern eher wie eine weitere Warnung anfühlte.
