Hearts-Duo vor schwerer Rückkehr-Entscheidung nach bitterer Niederlage
Eine überraschende 0:1-Niederlage des FC Hearts bei St. Mirren hat die Titelambitionen des Spitzenreiters der Scottish Premiership gedämpft. Die Mannschaft von Trainer Derek McInnes lieferte am Dienstagabend ein enttäuschendes Bild und musste zudem die frühe rote Karte von Craig Halkett hinnehmen.
Die Niederlage in Paisley, einem Ort, der für Hearts in den letzten Jahren als schwieriges Terrain gilt, kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit. In den kommenden Tagen stehen zwei entscheidende Spiele an: das Edinburgh-Derby gegen Hibernian und das Auswärtsspiel bei den Rangers. Sechs Punkte aus diesen Begegnungen könnten, so die Einschätzung, den Weg zur Meisterschaft ebnen.
Grundprinzipien vergessen
Analysen zufolge verlor Hearts das Spiel vor allem durch den Verlust der eigenen Stärken. Die Mannschaft wirkte laut Beobachtern überkompliziert und ließ die einfachen Dinge außer Acht, die sie an die Tabellenspitze geführt hatten: aggressives Pressing, schnelles Umschalten und präzise Flanken. „Sie haben aufgehört, das zu tun, was sie gut können“, fasste ein ehemaliger Spieler die Performance zusammen.
Die Verletzungssorgen verschärfen die Situation. Angesichts der verbleibenden 13 Saisonspiele wird erwartet, dass die Schlüsselspieler Lawrence Shankland und Cammy Devlin für die volle prognostizierte Dauer von acht Wochen ausfallen werden. Ihre Abwesenheit war in Paisley deutlich spürbar.
Historischer Präzedenzfall und persönlicher Preis
Genau diese Verletzungen könnten die Spieler vor eine schwere Gewissensentscheidung stellen. Der ehemalige Hearts-Profi Ryan Stevenson, heute als Radio-Kommentator tätig, berichtet aus eigener, schmerzhafter Erfahrung. Vor über einem Jahrzehnt, als der Club in der Administrationsphase steckte, 15 Punkte abgezogen bekam und um den Klassenerhalt kämpfte, kehrte er zehn Wochen zu früh von einer Knieverletzung zurück.
Um spielen zu können, nahm Stevenson Cortison-Injektionen und hohe Dosen des starken Schmerzmittels Tramadol ein. Die Folge war ein Leberversagen, das ihn ins Queen Margaret Hospital brachte. „Ich nahm so viel Tramadol, dass meine Leber versagte“, so Stevenson. Trotz seines Einsatzes stieg Hearts damals ab. Heute leidet er noch immer unter den Spätfolgen, besonders an kalten Tagen wie nach der Nacht in Paisley.
Stevenson rät zwar ausdrücklich nicht zu einem solchen Schritt, vermutet aber, dass Shankland und Devlin mit dem gleichen Drang kämpfen werden, in einer historischen Saison dabei zu sein. „Diese Jungs sind Teil dieses Teams. Sie werden darum brennen, wieder dort draußen zu stehen und dazu beizutragen, dass etwas Unglaubliches passiert“, sagte er.
Die Mannschaft hat nun ein langes Wochenende zur Regeneration, bevor sie sich auf die Rückkehr zu ihren erfolgreichen Grundprinzipien konzentrieren muss. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob die Niederlage bei St. Mirren als notwendiger Weckruf oder als Beginn eines Einbruchs in die Geschichte eingehen wird.