Gericht gewährt Tennessee-Star Aguilar vorläufigen Schutz im Streit mit NCAA
Ein Gericht im US-Bundesstaat Tennessee hat dem Football-Quarterback Joey Aguilar vorerst den Weg für eine weitere Saison bei den Tennessee Volunteers freigemacht. Der Knox County Chancery Court erließ am 4. Februar 2026 eine einstweilige Verfügung gegen den Sportverband NCAA, die dessen umstrittene Regel zur Anrechnung von Junior-College-Jahren für 15 Tage außer Kraft setzt. Aguilar, 25, erhofft sich eine dauerhafte einstweilige Anordnung, um 2026 noch einmal für Tennessee auflaufen zu können.
Für den Spieler geht es um viel: Nach eigenen Angaben in den Gerichtsunterlagen könnte ein weiteres College-Jahr ihm Einnahmen aus Werbeverträgen (Name, Image, and Likeness/NIL) in Höhe von rund 2 Millionen US-Dollar sichern. Zudem steht der Beginn der Frühjahrspraxis am 16. März unmittelbar bevor. „Er kann nicht viel länger warten, um zu wissen, ob er 2026 spielberechtigt ist“, heißt es in der Klageschrift. Ohne Klarheit könne er sich nicht angemessen auf den NFL-Draft vorbereiten.
Ein Präzedenzfall mit Verweisung auf Bundesweit
Der Fall Aguilar ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Klagen gegen die sogenannte „JUCO-Regel“ der NCAA, die Saisons an Junior Colleges auf das vierjährige Spielrecht in der Division I anrechnet. Aguilar selbst war zunächst Teil einer bundesweiten Sammelklage, die von Ex-Vanderbilt-Quarterback Diego Pavia angestrengt wurde. Pavia hatte 2025 per einstweiliger Verfügung spielen können und wurde Zweiter bei der Heisman-Trophy-Wahl. Aguilar zog seine Klage jedoch im Januar 2026 aus dem Bundesverfahren zurück und verfolgt seinen Fall nun gezielt vor einem Gericht in Tennessee.
Die NCAA kritisierte dieses Vorgehen scharf. Die unterschiedlichen Gerichtsentscheidungen schafften eine „unmögliche Situation“, die vereinbarte Regeln untergrüben, erklärte der Verband. Man werde die Regeln weiter verteidigen, die Highschool-Sportlern Chancen sichern sollen. Zugleich forderte die NCAA erneut den Kongress zum Handeln auf, um durch ein „Flickwerk aus Landesgesetzen und widersprüchlichen Gerichtsentscheidungen“ Stabilität für alle College-Athleten zu schaffen.
Chancellor Christopher D. Heagerty begründete seinen Beschluss mit vier Punkten: Aguilar habe eine hohe Wahrscheinlichkeit, in der Hauptsache zu gewinnen, da die JUCO-Regel möglicherweise gegen das Tennessee Trade Practices Act verstoße. Er erleide ohne den Beschluss einen sofortigen und irreparablen Schaden. Die Interessenabwägung falle zugunsten Aguilars aus, da die Anordnung nur ihn betreffe und der NCAA kein nennenswerter Schaden entstehe. Schließlich sei die Angelegenheit äußerst zeitkritisch.
Ein ungewöhnlicher Karriereweg
Aguilars sportlicher Werdegang ist geprägt von Umwegen. Nach einem Redshirt-Jahr am City College of San Francisco 2019 und der pandemiebedingten Absage der Saison 2020 spielte er zwei Jahre am Diablo Valley College (2021-22). Anschließend wechselte er zu Appalachian State (2023-24), bevor er 2025 bei Tennessee einen starken Eindruck hinterließ. Er führte die Southeastern Conference (SEC) in geworfenen Yards pro Spiel an, erzielte 3.565 Yards Raumgewinn (drittbeste Saisonbilanz in der Schulgeschichte) und warf 24 Touchdowns.
Seine unmittelbare Rückkehr aufs Feld wird jedoch auch durch einen medizinischen Eingriff verzögert: Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, unterzog sich Aguilar am 2. Januar einer Operation zur Entfernung eines gutartigen Tumors am Arm. Die vollständige Genesung wird für Ende Februar erwartet. Dennoch ist er bereits für das am 20. Januar 2026 begonnene Frühlahrssemester an der University of Tennessee eingeschrieben.
Für das Team der Volunteers hängt viel von der Entscheidung ab. Sollte Aguilar nicht spielen können, müsste die Quarterback-Position vermutlich mit dem Redshirt-Freshman George MacIntyre, dem Fünf-Sterne-Neuling Faizon Brandon oder dem Transfer von der University of Colorado, Ryan Staub, besetzt werden. Die Klage stellt klar, dass Tennessee Aguilar „einen Platz im Kader bereithält und ihn zurückholen würde“.
Die nächste entscheidende Anhörung zur einstweiligen Anordnung ist für den 13. Februar angesetzt. Parallel laufen weitere Verfahren, darunter das von Ole-Miss-Quarterback Trinidad Chambliss, dessen Anhörung für den 12. Februar geplant ist. Die Entscheidung in Knoxville wird nicht nur über die Zukunft eines Quarterbacks entscheiden, sondern könnte auch die Regelungen für Junior-College-Transfers im College Football nachhaltig verändern.