Twittersmash

Nachrichten aus Idstein, Hessen & Deutschland

Twittersmash

Nachrichten aus Idstein, Hessen & Deutschland

Sport

Elite-Dartspieler offenbaren den harten Preis des Erfolgs

Die Winmau World Masters in Milton Keynes zeigten mehr als nur Spitzen-Darts. Sie boten einen Einblick in eine Sportart, die sich von einer Kneipenveranstaltung zu einem globalen, hochprofessionalisierten Geschäft mit immensen Belastungen für die Athleten gewandelt hat.

Ein gnadenloser Turnierkalender

Der Spielplan der Professional Darts Corporation (PDC) ist erbarmungslos. In diesem Jahr beanspruchen Ranglistenturniere allein 134 Tage, hinzu kommen 33 weitere Tage für Premier League und World Series. Eine Recherche für diesen Artikel ergab, dass ein Spieler, der an allem teilnehmen wollte, inklusive Reisezeit nur etwa 40 freie Tage im Jahr hätte. „Unser Kalender ist jetzt so voll“, sagt der Weltranglisten-21. Luke Woodhouse. „Das ist genauso wichtig wie das tatsächliche Werfen der Darts.“

Gary Anderson verwies auf ein konkretes Beispiel: Ein Euro-Tour-Turnier in Polen von Freitag bis Sonntag wird unmittelbar gefolgt von Players Championships am Dienstag und Mittwoch in Leicester – und einer Premier League in Belfast am Donnerstag. Die physische und mentale Erschöpfung ist real. Woodhouse beschrieb sein Gefühl nach einem Finale in der Schweiz und dem direkten Weiterreisen: „Ich kann mich daran erinnern, wie ich da stand und dachte: Ich bin so müde und so ausgelaugt.“

Lifestyle-Revolution für die Performance

Um dem Druck standzuhalten, haben viele Spieler ihr Leben radikal umgestellt. Es geht nicht mehr um Zigaretten und Bier am Oche, sondern um Psychologen, Hypnotiseure, Ernährungsberater und strikte Fitness-Regimes. Weltmeister Luke Humphries, dessen Aufstieg vor fünf Jahren mit einer Fitness-Offensive begann, betont: „Gesunder Körper, gesunder Geist. Es geht darum, kleine bessere Entscheidungen zu treffen.“

Gerwyn Price, der 2021 die Weltmeisterschaft gewann, hat deutlich Gewicht verloren und ist ständig im Gym. Luke Woodhouse achtet auf seine Ernährung: „Wenn du zum Frühstück ausgehst, nimm nicht das komplette English Breakfast.“ Selbst die Pausengestaltung während langer Turniertage mit bis zu zwölf Stunden im Venue wird optimiert. Price erklärt: „Es geht darum, wie du deine Zeit managst. Ob du dich entspannst, für eine Stunde ins Bett gehst, duschst, dich erfrischst.“

Auch die mentale Belastung ist enorm. Bei der letzten Weltmeisterschaft hätte ein einzelner Wurf im entscheidenden Leg einen finanziellen Unterschied von 600.000 Pfund bedeuten können. „Die Teilnehmer spielen nicht nur für glänzende Trophäen“, heißt es im Artikel. „Sie spielen, um die Rechnungen zu bezahlen und ihre Familie zu versorgen.“

Spieler wie Stephen Bunting und Nathan Aspinall setzen auf Hypnose. Aspinall nutzt zudem einen Sportpsychologen: „Ich bekomme so viel mehr Hilfe abseits des Boards, als jemals jemand verstehen wird.“ Rob Cross spricht offen über seine „Beratung“ im Umgang mit mentalen Gesundheitsproblemen und ermutigt andere, es ihm gleichzutun.

Die finanziellen Anreize sind historisch hoch. PDC-Chef Barry Hearn, der einst für seine Vorhersage eines Millionengewinns für den Weltmeister belächelt wurde, sah sich bestätigt, als Luke Littler genau diesen Betrag kassierte. Hearns nächstes Ziel ist ein Gewinn von fünf Millionen Pfund für den Weltmeister innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Die Botschaft der PDC an die Spieler ist klar: Die Möglichkeiten sind da, aber sie verlangen harte Arbeit. Von einem Spieler, der sich über den Zeitplan beschwerte, heißt es, Hearn habe sinngemäß geantwortet: „Niemand zwingt dich. Wenn du nicht spielen willst, dann spiel nicht.“ Doch das Auslassen kann teuer werden und den Verlust von Ranglistenpositionen nach sich ziehen. Ein Balanceakt, den nur Superstars wie Littler leichter navigieren können.

Der Sport hat sich fundamental verändert. Die alten Zeiten sind vorbei. Der moderne Profi-Dart erfordert ein professionelles Leben – mit all seinen Opfern und seinem Fokus auf Wellness und mentale Stärke. Wie Rob Cross sagt: „Es hat Jahre gedauert, bis ich an diesem Punkt angelangt bin.“ Aber der neue Weg, so scheint es, ist der bessere.

Avatar-Foto

Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert