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Eine Frage des Fellwechsels: Weltcup im Skibergsteigen am Jenner

Am Jenner bei Berchtesgaden wird erstmals ein Weltcup im Skibergsteigen ausgetragen. Bei der deutschen Premiere im Ski Mountaineering, kurz Skimo, sind die schnellsten Tourengeher der Welt am Start. Geschicklichkeit ist beim Fellwechsel gefragt.

“Sikmo – was?” Achselzucken und fragende Blicke, wenn man Urlauber in Berchtesgaden fragt, ob sie Skimo kennen. “Vielleicht eine Abkürzung für Skimode”, meint einer, “ein neues asiatisches Gericht”, vermutet ein anderer. Die meisten antworten aber unisono “Nein, nie gehört”.

Skitourengehen unter Wettkampfbedingungen

Der Begriff muss sich also noch durchsetzen beim nicht fachkundigen Publikum. Die Sportart, die dahintersteckt, kennen aber viele: Skibergsteigen – oder auf Englisch “Ski Mountaineering” – daher die Abkürzung Skimo. Oder noch genauer: Skitourengehen unter Wettkampfbedingungen.

Athleten aus über 20 Nationen

Erstmals in Deutschland wird von Freitag, 7. Februar, bis Sonntag, 9. Februar, ein Weltcup im Skibergsteigen ausgetragen. Ausrichter ist der Deutsche Alpenverein (DAV), dessen Sektion Berchtesgaden über 150 überwiegend ehrenamtliche Helfer stellt, um das Großereignis gut über die Piste zu bringen. Bei der deutschen Weltcup-Premiere kämpfen an den Hängen des 1.874 Meter hohen Jenner die schnellsten Skimo-Athletinnen und Athleten aus über 20 Nationen in verschiedenen Disziplinen um Weltcup-Punkte.

Steil den Berg rauf

Skibergsteigen ähnelt als Wettkampf einem Langlaufrennen, allerdings geht es dabei steil den Berg hinauf und dann wieder runter. Für den Aufstieg werden Felle auf die Unterseite der Skier geklebt, die wie bei einer Skitour in den Bergen das Abrutschen verhindern. Vor der Abfahrt werden die Felle wieder abgenommen. Die Schnelligkeit des Fellwechsels kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Gewertet werden sowohl die Zeit für den Aufstieg als auch für die Abfahrt. Dabei fahren die Skimo-Athleten nicht über präparierte Pisten ab, sondern in freiem Gelände. Gestartet wird am Freitag um 13 Uhr mit dem Vertical. Das ist ein reines Aufstiegsrennen, die Abfahrt wird nicht gezählt.

Die Skier auch mal tragen

Am Samstag startet um 10 Uhr das Individual-Rennen, das Ähnlichkeit mit einer traditionellen Skitour hat. Die Herren müssen dabei mehrmals aufsteigen, wieder abfahren und dazwischen zweimal ihre Skier eine bestimmte Strecke tragen. Sie bewältigen dabei knapp 1.600 Höhenmeter in Zeiten, von denen Freizeitsportler nur träumen können. Bei den Damen gibt es einen Aufstieg und eine Abfahrt weniger.

Der Weltcup endet am Sonntag um 10 Uhr mit dem Sprint, bei dem nur zwei Kilometer und 80 Höhenmeter zu absolvieren sind. Die Schnellsten schaffen dabei die Strecke in rund drei Minuten.

Freier Eintritt für Zuschauer

Zuschauer können die Wettkämpfe bei freiem Eintritt jederzeit entlang der Strecke verfolgen, an den Wechselstationen mit besonders spektakulären Aktionen – wenn die Athleten nach dem Aufstieg die Felle von den Skiern nehmen und zur Abfahrt starten – sind Sitze und Verpflegungsstationen aufgebaut. Wer nicht persönlich dabei ist, kann sich die Wettkämpfe auch im Internet anschauen. Der DAV hat einen Livestream eingerichtet.

Daumen drücken für Lokalmatadoren

Bundestrainer Thomas Bösl aus Bernau am Chiemsee ist beim Weltcup vor heimischem Publikum mit zehn Athleten am Start. Er rechnet sich gute Chancen auf vordere Plätze für sein Team aus. Vor allem dem Lokalmatadoren Toni Palzer (26) aus Berchtesgaden traut er einen “Stockerlplatz” zu. Ebenfalls aus Berchtesgaden kommt Stefan Knopf (22). Er freut sich auf das “Heimspiel” am Wochenende.

“Wir haben schon immer gehofft, dass wir mal daheim am Jenner einen Weltcup kriegen. Jeder aus der Mannschaft freut sich darüber und besonders natürlich wir Berchtesgadener im Team.” Lokalmatador Stefan Knopf

Organisationschef Hermann Gruber vom DAV ist trotz des schlechten Wetters in den vergangenen Tagen zuversichtlich, eine gute Strecke hinzukriegen.

“Wir haben ordentlich Schnee, mussten nur einen kurzen Streckenabschnitt wegen Schneeverwehungen ändern. Aber sonst ist die Strecke so, wie wir sie geplant haben.” Organisationschef Hermann Gruber

Früher sogar olympische Disziplin

Skibergsteigen hat eine lange Tradition als Wettkampfsport. Bereits 1893 wurden in Deutschland erste Meisterschaften ausgetragen, vor allem als militärische Patrouillenläufe. Von 1924 bis 1948 war diese Disziplin sogar im Programm der Olympischen Winterspiele enthalten. Und Siktourengehen ohne Zeitnahme ist ohnehin ein beliebter Freizeitsport in den Alpenländern.

Der Weltcup am Wochenende läuft im Rahmen des “Jennerstier”-Wettbewerbs, bei dem seit 15 Jahren nationale Skibergsteiger-Rennen durchgeführt werden. Der Name “Stier” kommt übrigens daher, weil Skitourenrennen große Kräfte verlangen. Wer am Jenner gewinnt, weil er richtig gut beinander ist, wird in Berchtesgaden als Stier bezeichnet.