Britischer Langläufer Musgrave will nach vier Olympia-Flops endlich glänzen
Der britische Skilangläufer Andrew Musgrave bereitet sich auf seine fünften Olympischen Spiele vor – mit der ehrlichen Bilanz, dass seine bisherigen vier Auftritte „alle mies“ waren. Der 35-Jährige, der seit fast zwei Jahrzehnten in Norwegen lebt und trainiert, sieht sich dennoch nicht als beendet. „Ich glaube immer noch, dass ich mehr zu geben habe“, sagte Musgrave.
Ein Sieger in der Heimat der Langlauf-Götter
Musgraves Karriere ist ungewöhnlich. Vor 16 Jahren debütierte er auf der internationalen Langlaufbühne, wo britische Flaggen eine Seltenheit waren. Er etablierte sich jedoch als ernstzunehmender Athlet. Sein größter Coup gelang ihm 2014, als er die norwegischen Meisterschaften gewann – ein Sieg, der in Norwegen Schlagzeilen machte und fast als nationale Krise diskutiert wurde.
Sein olympischer Weg war hingegen von Rückschlägen geprägt. Bei seinem Debüt 2010 in Vancouver als Teenager kam er in keinem seiner drei Rennen unter die Top 50. Vier Jahre später in Sotschi, wo ihm die wärmeren Bedingungen zusetzten, beschrieb er seine Leistung selbstironisch: „Ich bin gelaufen wie ein betäubter Dachs.“
Die Wende schien 2018 in PyeongChang gekommen, als er als Siebter das bislang beste britische Olympia-Resultat erzielte. Die Spiele 2022 in Peking, die unter strengen Corona-Bedingungen stattfanden, möchte er aber am liebsten vergessen. Sein Kommentar damals: „Ich werde einen Donut essen und nicht an Skilanglauf denken.“
Alter als Vorteil und die Kunst des Leidens
Dass er mit 35 Jahren immer noch zur Weltspitze gehört, bewies Musgrave bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr mit zwei Top-Ten-Platzierungen. Er verweist auf Vorbilder wie die norwegische Rekord-Olympionikin Marit Bjørgen, die noch mit Ende 30 Medaillen gewann, oder Andrus Veerpalu, der mit 39 Silber holte.
„In diesem Sport wird jede Verletzung oder Krankheit sofort sichtbar. Man muss in Höchstform sein, um eine Chance zu haben“, erklärt Musgrave. Er räumt ein, bei einigen Spielen einfach Pech mit Erkrankungen gehabt zu haben. Seine Stärke sieht er in seiner mentalen Härte: „Ich liebe die Plackerei dieses Sports – sich im Training an die Grenzen zu bringen. Ich glaube, meine Schmerztoleranz ist meine Superkraft.“
Während Musgrave etwas unter dem Radar agieren kann, steht der norwegische Superstar Johannes Høsflot Klæbo unter dem Druck, Bjørgens Rekord von acht olympischen Goldmedaillen zu brechen. Klæbo hat bereits fünf Goldmedaillen aus zwei Spielen gesammelt.
Musgrave schätzt die Unterstützung der norwegischen Langlaufgemeinschaft, die ihn, wie er sagt, vielleicht anfangs nicht als Bedrohung sah, „unter ihre Fittiche genommen“ hat. Er betont, wie sehr der Sport in Norwegen eine Leidenschaft ist: „Das ist hier eine Religion – so wie Fußball daheim. Fans zelten über Nacht im Schnee, um die besten Plätze zu bekommen.“
Sein Fokus liegt nun ganz auf den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina. Für britische Zuschauer wird TNT Sports auf discovery die zentrale Anlaufstelle sein, um alle Wettkämpfe live zu verfolgen, mit über 850 Stunden Übertragung von jeder Sportart und jedem Medaillenentscheid.