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ROUNDUP 3: Digitalmanager übernimmt ‘Hamburger Morgenpost’ von DuMont

(Neu: Zitat Tschentscher im vorletzten Absatz)

HAMBURG/KÖLN (dpa-AFX) – Die 70 Jahre alte “Hamburger Morgenpost” (Mopo) wechselt den Besitzer. Der in der Hansestadt lebende Wirtschaftsingenieur und Digitalmanager Arist von Harpe wolle das Traditionsmedium neu aufstellen und ihm eine langfristige Perspektive geben, teilte die Kölner DuMont-Mediengruppe am Donnerstag als bisherige Eigentümerin mit. Von Harpe übernehme sowohl das Printgeschäft als auch den Digitalbereich der Zeitung. Die Übergabe soll in den nächsten Wochen erfolgen. Damit hat sich DuMont seit vergangenem Herbst von insgesamt vier Regionalzeitungen getrennt.

In der Mitteilung wurde von Harpe mit den Worten zitiert: “Die Mopo ist immer eine der zentralen Medienmarken dieser Stadt gewesen – mit einer klaren Identität und Haltung. Die Mopo gehört zu Hamburg wie der Kiez, der Fischmarkt oder die Beginner.” Er glaube an das Potenzial der Marke und möchte den Fokus auf Lokaljournalismus schärfen. Sein Ziel formulierte von Harpe so: “eine tief in der Stadt verankerte und nachhaltig erfolgreiche Mopo – und das auf allen Kanälen”.

Der Manager ist den Angaben zufolge in Düsseldorf geboren und lebt seit 1999 in Hamburg. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen und war unter anderem schon als Berater und Start-up-Geschäftsführer tätig – außerdem für das Werbegeschäft der New Work SE (ehemals Xing).

Die verkaufte Auflage des 1949 gegründeten Boulevardblattes war im vergangenen Jahr weiter rückläufig und lag nach Angaben der Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) im vierten Quartal 2019 bei 47 439 Exemplaren (Mo bis Sa/So). Darin sind 13 396 E-Paper enthalten. Die Zeitungsbranche in Deutschland erlebt schon lange einen Rückgang der Auflagenzahlen im Bereich Print. Verlage investieren zugleich ins Digitale.

Vor fast einem Jahr hatte DuMont angekündigt, das Geschäftsfeld Regionalmedien zu überprüfen. Dies ist nun mit dem Verkauf des Hamburger Blattes, bei dem das Medienhaus 2009 eingestiegen war, abgeschlossen. Neben der “Hamburger Morgenpost” hat sich DuMont auch von der “Berliner Zeitung”, dem “Berliner Kurier” und der “Mitteldeutschen Zeitung” getrennt. Die Berliner Blätter gingen an das Unternehmer-Ehepaar Silke und Holger Friedrich, die davor noch keine Verleger waren. Mitte Januar wurde bekannt, dass die Hamburger Bauer Media Group (“Cosmopolitan”, “Bravo”) die “Mitteldeutsche Zeitung” in Sachsen-Anhalt kauft.

In der Hand von DuMont bleiben die beiden Regionalblätter “Kölner Stadt-Anzeiger” und “Express” (Köln). Das Medienhaus hat neben dem Standbein Regionalzeitungen zwei weitere mit Business Information – hier bereitet DuMont Daten für Unternehmen und Institutionen auf – und Marketing Technology mit Marketing-Software für Vertrieb und Kommunikation.

Zu dem Deal zwischen DuMont und dem Digitalmanager von Harpe gehören den Angaben zufolge neben der “Hamburger Morgenpost” das Portal “mopo.de”, der Medienvermarkter Hamburg First Medien & Marketing GmbH, die Corporate Publishing Agentur DuMont Media inklusive der Erlebniswelt Discovery Dock im Hamburger Hafen sowie die Beteiligung an Radio Hamburg. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt.

Gewerkschafter und Mitarbeiter der “Hamburger Morgenpost” (Mopo) reagierten erleichtert. “Wir sind froh, dass diese ein Jahr lang währende Hängepartie ein Ende gefunden hat und wir uns wieder auf unsere Arbeit konzentrieren können. Wir freuen uns, dass ein Eigentümer gefunden wurde, der die Morgenpost als Ganzes erhält, sich zur Belegschaft bekennt und unser Engagement zu schätzen weiß”, teilte die Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner mit. Von Harpe habe vor der Belegschaft eine viel versprechende Mischung aus Idealismus und Realismus präsentiert. Er habe angekündigt, auch die gedruckte Zeitung wieder in den Fokus zu nehmen. Bei seiner Vorstellung habe er Beifall bekommen.

Im Vorfeld hatten sich in der Hansestadt viele für den Erhalt des Blattes stark gemacht. Darunter waren Prominente und Politiker wie der Musiker Udo Lindenberg, HSV-Idol Uwe Seeler, Dragqueen Olivia Jones, Bundesfinanzminister Olaf Scholz als früherer Hamburger Bürgermeister und der aktuelle Amtsinhaber, Peter Tschentscher (beide SPD). Dieser sagte über den Verkauf am Donnerstag: “Gerade im Zeitalter des digitalen Wandels ist eine offene und vielfältige Medienlandschaft der beste Schutz vor Populismus und Manipulation. Das ist wichtig für die Demokratie.” Und Hamburgs Kultur- und Mediensenator Carsten Brosda (SPD) sieht die Chance einer “echten Zukunftsperspektive” für das Blatt.

DuMont-Aufsichtsratsvorsitzende Isabella Neven DuMont sagte: “Wir haben immer betont, dass wir auch für Hamburg die bestmögliche Zukunftsoption erarbeiten werden, und uns war wichtig, den Hamburger Morgenpost Medien mit all ihren Angeboten eine Perspektive zu geben. Hierfür hat Arist von Harpe aus unserer Sicht das erfolgversprechendste Konzept präsentiert.”/rin/DP/zb